Meine biographische Digitalisierung
Am Anfang der Digitalisierung
Schon lange Zeit vor Corona hatte ich damit begonnen, meinen Unterricht zu digitalisieren. Meine Planungen für eine Unterrichtstunde inklusive Strukturskizze, Aufgabenblätter und Lösungen speichere ich in Ordnern im Computer. Es erwischte mich deshalb nicht eiskalt, als Corona 2020 dafür sorgte, dass Online-Unterricht angeboten wurde und die Arbeitsmaterialien deshalb digital vorhanden sein mussten.
Was mich aber zunächst überfordert hat, war der Online-Unterricht. Neben meinem eher unbrauchbaren Laptop fehlte mir das Vertrauen in mich und das technische Verständnis, um meinen Unterricht per Videokonferenz halten zu wollen. Mit Hilfe eines Erklärvideos meiner Kollegin, in dem sie erläuterte, wie man einen Videokonferenzlink erstellt und an dem Meeting teilnimmt, war ich bereit, mich auf unbekanntes Gebiet einzulassen. Mittlerweile bin ich ziemlich mutig und interessiert daran, neue digitale Tools für mich zu entdecken und in meinen Unterricht zu integrieren. Ich habe „die Flucht nach vorne“ ergriffen. Denn auch wenn ich alles in der Hinsicht ignoriert hätte – vorhanden ist die Digitalität trotzdem. Und vermutlich ist es äußerst mühsam, diese Sachlage täglich zu ignorieren.
Ziele des Blogs
Ich gebe einen kleinen Überblick über die digitalen Tools, die ich in den nächsten Blogs in ihrer Funktion näher vorstellen werde. Ihre Vorteile und was sich dahinter verbirgt, werde ich erläutern. Abschließend gehe ich auf das SAMR-Modell zu Analyse des digitalen Einsatzes im Unterricht kurz ein.
Umgang mit der Digitalität
Es gibt viele Schülerinnen und Schüler, die zwar den gesamten Tag am Handy sind, aber kanalisiert noch nie eine App bedient haben. Vielen Lehrkräften – in meinem Alter – geht es ähnlich.
In Bezug auf das Arbeiten und Ausprobieren digitaler Tools im Unterricht stehe ich noch am Anfang. Es ist zeitintensiv, Tools zu finden, deren Bedienung ich nachvollziehen kann und die zudem für meinen Unterricht einen Mehrwert darstellen.
Die Auseinandersetzung mit den digitalen Tools bereitet mir große Freude und ich möchte euch auch dafür begeistern. Darüber hinaus hat das Arbeiten mit den Tools den positiven Effekt, dass man während die Schülerinnen und Schüler arbeiten, durch die Klasse gehen und sehen kann, wie und was die Schülerinnen und Schüler genau tun und wo sie dabei besonders herausgefordert werden. Eine individuelle Unterstützung ist möglich.
Meine Empfehlungen
Alle digitalen Tools, die ich hier nun kurz vorstelle, sind
- kostenlos (z. T. mit Registrierung)
- browserbasiert
- für alle Unterrichtsfächer
- für alle Bildungsgänge
- für alle Klassenstufen geeignet.
Schülerinnen und Schüler benötigen zum Nutzen der digitalen Tools kein eigenes Konto.
Für jedes Tool gibt es einen Link - oft auch einen QR-Code (nicht bei Oncoo und ZumPad).
Meinen Eindruck habe ich versucht, mit Sternen darzustellen. Fünf Sterne sind die höchste Würdigung. Für meine Bewertung ist die zu investierende Zeit – bis das Tool für meine schulischen Bedürfnisse erstellt ist – ausschlaggebend. Es geht also vor allem um die Anwendungsfreundlichkeit. Dies gilt zum einen für mich als Lehrkraft und zum anderen für meine Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus zählen der Lerneffekt sowie die Freude am Arbeiten mit diesem Tool und natürlich die oben in den Punkten aufgeführten Inhalte.

Überblick über die digitalen Tools, die aus meiner Sicht im Unterricht hilfreich sind
SAMR-Modell
Das SAMR-Modell hilft bei der Analyse des eigenen Technikeinsatzes im Unterricht. So kann man auf einen Blick sehen, ob man durch den Unterricht eine technische Verbesserung (im Schaubild „Anrewicherung[1]“) oder eine Umgestaltung („Transformation“) vorgenommen hat. Die vier Dimensionen sind zwar in vermeintlichen Stufen angeordnet, sie werden jedoch nicht nacheinander hierarchisch erklommen[2]. SAMR ist ein Akronym und setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Wörter Substitution, Augmentation, Modification und Redefinition zusammen.

Unter Substitution (Ersetzung) versteht man, dass digitale Medien analoge Aufgaben oder Materialien ersetzen. Es finden dabei keine Änderungen der Lernprozesse oder der Lernziele statt.[4] Ein Vorteil der Substitution ist, dass auf digital gespeicherte Inhalte auch nach deren Bearbeitung weiterhin zugegriffen werden kann [5].
Beispiele[6]:
- Lesen von Texten auf digitalen Medien wie Tablets und dem PC
- Schreiben in Word oder Google Docs mit Tastatur
- Cloud, in der Dateien abgelegt oder für andere freigeben werden
Bei der Augmentation (Erweiterung) wird ein Arbeitsauftrag methodisch ergänzt, indem technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies stellt eine funktionale Veränderung dar, die mit analogem Arbeitsmaterial so nicht möglich wäre. Eine qualitative Veränderung des Lernens findet durch den technischen Einsatz jedoch nicht statt.[7] Durch die Augmentation können sich Arbeitsabläufe optimieren. Darüber hinaus erhalten die Schülerinnen und Schüler schneller ein Feedback zu ihrer Aufgabenerarbeitung[8].
Beispiele[9]:
- Grundfunktionen von Word-Dokumenten: Rechtschreibprüfung, Umstrukturierung und Überarbeitung von Texten durch Ausschneiden und Ersetzen von Inhalten
- Google Docs: kollaboratives Arbeiten an Texten
- Online-Verlinkung oder Einbettung von Multimedia-Inhalten, wie Wörterbüchern oder digitalen Karten
- Lern-Apps wie Quizlet
- Nutzung einer Lern-Plattform
Die Modification (Änderung) beschreibt substantiell veränderte Lernprozesse oder Lernziele durch die Verwendung digitaler Medien. Hier findet eine grundlegende Umgestaltung der Lernprozesse und -ziele statt. Aufgaben bzw. Anforderungen werden aufgrund der vorhandenen Technik neu formuliert.[10] Dass die Technologie einen weiteren Lernraum schafft, ist ein Gewinn dieser Dimension[11].
Beispiele[12]:
- Integration von Kommunikationswerkzeugen (E-Mail), Tabellenkalkulationen, grafische Darstellungen sowie textuelle, visuelle und auditive Werkzeuge
- Ergänzung von Dokumenten durch multimediale Elemente wie Video und Audio
- Recherche zu einem Thema mit digitalen Medien, Aufbereitung des Wissens durch ein selbsterstelltes Video, einer interaktiven Karte oder Infografik
- Veröffentlichung (kollaborativ) erstellter Texte über die digitale Infrastruktur (Lernplattform, Blog, etc.) mit unmittelbarem Feedback
- Online-Diskussion
Mit Redefinition (Neubelegung) wird die Neugestaltung von Lernprozessen und -zielen bezeichnet, die die Digitalisierung voraussetzt[13]. Sie zeigt sich u. a. in neuen Aufgabenformaten und Lernwegen. Durch den Einsatz digitaler Technologien werden Ansätze zur Problemlösung gefunden, bei denen das gemeinsame kritische, vertiefende, projektorientierte, anwendungsbezogene und forschende Lernen geübt wird.[14]
Beispiele[15]:
- Digitale Storytelling: Erstellung von eBooks, die multimedial befüllt werden
- Konzept „Flipped Classroom“
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Meiner Ansicht nach können meine vorgestellten digitalen Tools so eingeordnet werden:
LearningApps, LearningSnacks sowie Oncoo zählen zur Augmentation, das ZumPad gehört zur Modification und wenn ich ein Portfolio über LearningView erstellen lasse (mit Bild-, Audio sowie Videoaufnahmen), ist das eine Redefinition.
Alle wissenschaftlichen Tüftlerinnen und Tüftlern, die sich die Mühe gemacht haben, sinnvolle digitale Tools für den Unterricht zu kreieren und kostenlos zur Verfügung zu stellen, haben das Lernen mit digitalen Medien vorangebracht.
Es ist unglaublich, dass man digitale Tools nicht nur als Ersatz für analoge Werkzeuge verwenden kann, sondern es mit ihnen sogar schafft, neue Lernformate zu kreieren. Damit verbunden sind meist andere Lernprozesse und -ziele. Auch wenn digitale Tools nicht das „Allheilmittel“ für einen erfolgreichen Unterricht sind, so erweitern sie durch ihr Dasein auf jeden Fall das Spektrum an unterrichtlichen Möglichkeiten in Bezug auf das Lernen.
Es gibt sicherlich noch viele weitere digitale Tools, die es zu entdecken gibt. Am wichtigsten ist, dass man neugierig ist und sich traut, einfach mal was auszuprobieren. Seid offen und kreativ! Es lohnt sich.
Fußnoten:
[1] Ich vermute, dass es sich hier um einen Schreibfehler handelt. Das Wort kann ich nicht nachschlagen.
[2] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[3] Eder/Scheiter/Lachner/Land Baden-Württemberg (Hrsg.) 2023, S. 7
[4] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025 u. vgl. Eder/Scheiter/Lachner/Land Baden-Württemberg (Hrsg.) 2023, S. 7
[5] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[6] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[7] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025 u. vgl. Eder/Scheiter/Lachner/Land Baden-Württemberg (Hrsg.) 2023, S. 7
[8] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[9] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[10] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025 u. vgl. Eder/Scheiter/Lachner/Land Baden-Württemberg (Hrsg.) 2023, S. 7
[11] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[12] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[13] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025 u. vgl. Eder/Scheiter/Lachner/Land Baden-Württemberg (Hrsg.) 2023, S. 7
[14] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
[15] vgl. https://www.bildung.digital, entnommen am 04.10.2025
Quellen
Eder, Thérése/Scheiter, Katharina/Lachner, Andreas/Land Baden-Württemberg (Hrsg.) (2023): Einsatz digitaler Medien für einen wirksamen Unterricht. Wirksamer Unterricht Band 9. Stuttgart
Internet
Band 9: https://ibbw-bw.de/site/pbs-bw-rebrush2024/get/documents_E1000997946/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/Dienststellen/ibbw/Empirische%20Bildungsforschung/Programme-und-Projekte/Wirksamer_Unterricht/IBBW_WU09_digitale%20Medien_230720_BF.pdf, entnommen am 29.09.2025
Den Mehrwert digitaler Medien erkennen:
https://www.bildung.digital/artikel/den-mehrwert-digitaler-medien-erkennen, entnommen am 04.10.2025
Digitale Tools: