Hausaufgaben -
der Unterricht geht zu Hause weiter?!
Hausaufgaben: Eine Definition
Unter Hausaufgaben werden Lernleistungen verstanden, die zu Hause erbracht werden. Sie sind an deutschen Schulen mit Halbtagsunterricht fest etabliert und sollen zur Steigerung der Lernleistungen und zur Förderung des selbstständigen Lernens beitragen. Oft sind Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Sozialmilieus dabei benachteiligt.[1]
Ziel des Blogs
In diesem Blog geht es um das Herausarbeiten der Zweckmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit von Hausaufgaben. Es wird vor allem auf die Herausforderungen eingegangen, die sie mit sich bringen. Zudem wird thematisiert, was beim Erteilen zu bedenken ist – gerade auch in Bezug auf die KI.
Hausaufgaben im Praxistest
Ich war mal ein Fan von Hausaufgaben, da ich der Ansicht war, dass es für den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler wirksam ist, das im Unterricht erworbene Wissen mittags in Ruhe zu vertiefen und damit festigen zu können. Durch die individuelle Auseinandersetzung mit der Thematik und deren Anwendung, dachte ich, dass sich die neuen Kenntnisse im Langzeitgedächtnis speichern werden. Das ist auch so, allerdings habe ich nicht durchblickt, dass durch die nachmittägliche Hausaufgabenerledigung der übrige Tag zu kurz für andere Aktivitäten, wie das Treffen mit Freundinnen und Freunden oder das Nachgehen einer Sportaktivität in einem Verein ist.
Letztens habe ich gelesen, dass im Endeffekt Hausaufgaben eine Verlängerung des Schultages bedeuten und es deshalb eigentlich egal ist, ob man eine Ganztagesschule besucht, bei der die Hausaufgabenerledigung in der Schule stattfindet oder man nach dem beendeten Vormittag die Schule mit Hausaufgaben verlässt, für die man mittags einige Zeit benötigt, um sie erfolgreich zu bewältigen. Es kommt auf das Gleiche raus: Freizeit haben die Schülerinnen und Schüler unter der Woche meist frühestens ab 17 Uhr. Das entspricht ungefähr einem Arbeitstag eines Erwachsenen in Vollzeit. Muss dann zusätzlich noch für Arbeiten gelernt werden, ist der Tag komplett mit schulischen Themen belegt. Deshalb ist es sinnvoll, wenn man wirklich Hausaufgaben aufgeben muss, die Schülerinnen und Schüler zu fragen, bis wann sie diese realistisch erledigt haben können.
Hausaufgaben – ein Ärgernis
„Gut gedacht und schlecht gemacht“ trifft auf das tägliche Hausaufgabenszenario in Familien zu. Haben Eltern keine Zeit und ihre Kinder erledigen die Hausaufgaben in der Nachmittagsbetreuung, dann haben sie die Reibereien wegen der zu erledigenden Hausaufgaben sicherlich weniger oder gar nicht. Falls Eltern nicht unterstützen können, fühlen sich ihre Kinder alleine gelassen und sind darauf angewiesen, dass ihnen z. B. Mitschülerinnen und Mitschüler, eine Nachhilfeeinrichtung oder Lehrkräfte weiterhelfen. Auch sehr gestraft von den Hausaufgaben sind die Eltern, die nach der Schule diese mit ihren Kindern erledigen. Ich kenne die Aufregung durch verursachte Hausaufgaben – da gibt es aus Wut zugeworfene Türen oder als Vermeidungsstragie das Verweilen auf der Toilette für mindestens eine Stunde. Hausaufgaben können dafür sorgen, dass die Beziehung zwischen Kindern und Eltern angespannt ist. Oft erklären Eltern anders als die Kinder es in der Schule gelernt haben – Missverständnisse entstehen. Zudem will man, dass das Kind die Hausaufgaben zufriedenstellend erledigt und die Inhalte durchdrungen hat, damit es selbst und auch die Eltern nicht in Ungnade bei der das Fach unterrichtenden Lehrkraft fallen.
Verständnisprobleme bei den Hausaufgaben
Herausfordernd sind Hausaufgaben für Schülerinnen und Schüler vor allem, wenn sie die unterrichteten Inhalte nicht verstanden haben. In dem Fall ist man auf die Hilfe z. B. von Eltern oder Geschwistern angewiesen. Ansonsten ist es unmöglich, die Hausaufgaben erfolgreich oder überhaupt zu erledigen. Das setzt Schülerinnen und Schüler unter Druck – gerade dann, wenn die Hausaufgaben auch noch bewertet werden oder wenn auf eine vergessene Hausaufgabe eine Bestrafung folgt. In diesem Fall unterstellt die Lehrkraft der Schülerin oder dem Schüler, dass sie / er die Hausaufgaben mit Absicht nicht angefertigt hat. Das trifft Schülerinnen und Schüler meist hart, da die Gründe für nicht erstellte Hausaufgaben oft andere Ursachen haben als Lustlosigkeit oder eine fehlende Selbstorganisation.
Es ist also eine Überforderung bei der Erteilung von Hausaufgaben zu vermeiden. Sinnvoll ist, wenn Schülerinnen und Schüler zwischen verschiedenen Aufgaben und Niveaustufen wählen können. Denn Ziel ist, dass durch die Hausaufgabe die in der Schule behandelten Themen besser verstanden werden und nicht, dass sie zu Schwierigkeiten führen.
Hausaufgaben: wie erteilt man sie heute?
Man muss als Lehrkraft Hausaufgaben erteilen, die das Wiederholen des Unterrichtsinhaltes wirklich trainieren. Heutzutage greifen Schülerinnen und Schüler gerne auf die Dienste der KI (künstliche Intelligenz) zurück. Mit diesem „Hilfsmittel“ prägen sich Inhalte nicht ein, auch wenn man als Lehrkraft eine erledigte Hausaufgabe erhält. Oftmals sind wir Lehrkräfte noch nicht besonders vertraut im Umgang mit der KI. Wir wissen nicht, bei welchen Aufgabenarten die KI den Schülerinnen und Schülern besonders hilfreich ist und bei welchen Aufgabentypen sie sich ihrer bedienen. Um die Aufgabenerledigung mit der KI zu umgehen, müssen Aufgaben gegeben werden, die in Beziehung zur Biographie, zu persönlichen Emotionen und der eigenen Kreativität stehen.
Arten von Hausaufgaben, die die KI nicht erledigen kann
Hier sind einige Beispiele für Hausaufgabenarten, die die KI nicht effektiv oder vollständig erledigen kann[2]:
1. Kreative Schreibaufgaben
Originelle Geschichten, Gedichte oder persönliche Essays kann die KI nicht verfassen, wenn dabei individuelle Erfahrungen und Emotionen im Vordergrund stehen. Die KI kann zwar Texte generieren, aber ihr fällt es schwer, den kreativen Produkten eine persönliche Note zu verleihen sowie sich in einzigartige Perspektiven zu versetzen.
2. Praktische Projekte
Hausaufgaben, die praktische Fähigkeiten erfordern, wie das Durchführen von Experimenten, das Erstellen von Kunstwerken oder das Bauen von Modellen kann die KI nicht erledigen.
3. Reflexions- und Selbstbewertungsaufgaben
Bei Aufgaben, bei denen Schülerinnen und Schüler über ihre eigenen Erfahrungen, Gefühle oder Lernprozesse reflektieren müssen, kann die KI nicht behilflich sein, da diese ein individuelles Denken erforderlich machen.
4. Kunst- und Musikprojekte
Wenn bei kreativen Aufgaben in den Bereichen Kunst oder Musik, die individuellen Ausdrucksformen und ästhetische Entscheidungen gefragt sind, kann die KI nicht helfen, da emotionale Intelligenz und persönliche Kreativität nicht in ihrem Bereich liegen.
5. Feldstudien und Experimente
Aufgaben, die das Sammeln von Daten oder das Durchführen von Beobachtungen in der realen Welt erfordern, kann die KI nicht erledigen, da es ihr an menschlichem Urteilsvermögen und Anpassungsfähigkeit fehlt.
6. Ethik- und Wertefragen
Für Aufgaben, die kritisches Denken über moralische Dilemmata oder persönliche Werte verlangen, kann die KI Informationen bereitstellen, aber es ist ihr nicht möglich, subjektive Urteile und Überzeugungen eines Individuums zu ersetzen.
Gerne arbeite ich auch mit der KI, muss aber gestehen, dass sie für mich oft nur eine Hülle ohne tiefgründigen Inhalt darstellt. Zudem können Inhalte fehlerhaft sein, weshalb man diese immer mit Fachverstand und klarem Kopf überprüfen muss. Gerne könnt ihr ausprobieren, ob ihr meine Meinung mit der KI teilt, indem ihr euch kostenlos bei gamma[3] anmeldet und euch eine PowerPoint-Präsentation zu eurem gewählten Thema erstellen lasst.
Hausaufgaben in Maßen
Falls man das Erteilen von Hausaufgaben nicht umgehen kann, sollte man Folgendes beachten: Man muss den Schülerinnen und Schülern zugestehen, dass sie nach zwanzig Minuten intensiver Arbeit die Auseinandersetzung beenden dürfen.
Zu bedenken ist auch, dass man meist nicht die einzige Lehrkraft ist, die Hausaufgaben erteilt. Bekommen Schülerinnen und Schüler in jedem Fach eine Hausaufgabe ist das, wenn man nicht gerade ein „Überflieger“ ist oder großes Interesse an der Thematik hat, zu viel. Es ist nämlich wichtig, dass das Gehirn Zeit hat, das Gelernte zu verarbeiten und das tut es am besten in schulischen Pausen – mit viel Bewegung und Freundinnen sowie Freunden an der frischen Luft.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Meines Erachtens ist es absolut zielführend und sinnvoll, wenn gelehrte Inhalte immer wieder wiederholt und zudem in eigenständig zu lösende Aufgaben – am besten mit Transfer – „verpackt“ werden. Es muss dabei gewährleistet sein, dass sich die Schülerinnen und Schüler keine neuen Inhalte erarbeiten.
Damit unsere Schülerinnen und Schüler nicht „rund um die Uhr“ lernen müssen und das Gehirn seine wohlverdiente Regeneration erhält, sollten keine Hausaufgaben aufgegeben werden. Die Aufgabenerledigung soll stattdessen in der Schule stattfinden. So kann man bei Herausforderungen den Schülerinnen und Schülern gleich helfen und erkennt, woran sie arbeiten und wie – die Verwendung der KI wird dadurch (hoffentlich) unterbunden.
Wenn den Inhalt wiederholende Aufgabenstellungen während der Unterrichtszeit erledigt werden, ist damit zu rechnen, dass man im Unterrichtsstoff nicht mehr so schnell vorankommt wie bisher – als die Aufgaben zu Hause und nicht während der Unterrichtszeit erledigt wurden. Allerdings ist es für Schülerinnen und Schüler immens wichtig, mittags Zeit für soziale Kontakte zu haben und dem Gehirn Pausen zu gönnen. Der Unterricht sollte folglich zu Hause nicht weitergehen. Damit vermeidet man Überforderungen und von Hausaufgaben gereizte Beziehungen zwischen Kindern und ihren Eltern. Zudem werden dadurch Schülerinnen und Schüler nicht benachteiligt, die mittags keine Hilfe bei der Erledigung von Hausaufgaben erhalten.
Quelle
Tenorth, Heinz-Elmar/Tippelt, Rudolf (Hrsg.) (2012): Beltz Lexikon. Pädagogik. Beltzverlag. Weinheim und Basel
Internet
Powerpoint-Präsentationen, die mit der KI erstellt werden: https://gamma.app/, entnommen am 21.09.2025