Notengebung:
Wie bewertet man einen Aufsatz in Deutsch?
Bewertungskriterien
Meine Freundin sowie Kollegin und ich bewerten schriftliche Aufsätze in Deutsch unterschiedlich. Während sie ein Bewertungsraster hat, in dem sie verschiedene Bewertungskriterien mit Polen darstellt und Kreuze an entsprechenden Stellen macht, bepunkte ich die Aufsätze meiner Schülerinnen und Schüler.
Unsere Ergebnisse sind mehr oder weniger gleich - differieren (sehr selten und) höchstens um eine Note.
Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die behaupten, dass ein Aufsatz ein Gesamtkunstwerk sei und deshalb nicht in einzelne Teile, wie ich es mit meiner Bepunktung tue, zerlegt werden dürfe.
Ziele des Blogs
In diesem Blog wird aufgezeigt, wie ein Deutschaufsatz bewertet werden kann. Es wird dabei auf die Rechtschreibung und auf mögliche Bewertungskriterien bzw. -grundlagen eingegangen.
Bewertung der Rechtschreibung - im Allgemeinen
Im Unterrichtsfach Deutsch stellt das normgerechte Schreiben eines der wichtigsten Ziele dar. Auch in den weiteren Fächern soll eine korrekte Rechtschreibung geübt werden.[1]
Es ist für die Benotung der Rechtschreibung eine Bewertungsskala zu erstellen, in deren Beurteilung beispielsweise der Bildungsgang und die Klassenstufe Berücksichtigung finden sollen. Rechtschreibfehler sollen im Aufsatz gekennzeichnet werden und in der Notengebung eine Rolle spielen. Auch in den übrigen Unterrichtsfächern sollen Rechtschreibfehler gekennzeichnet werden und können in die Bewertung einfließen – bis zu einer Note Abzug kann es geben.[2]
Im Unterrichtsfach Deutsch orientiere ich mich in Bezug auf die Bewertung der Rechtschreibung an meiner Gesamtpunktzahl des Aufsatzes, von der ich 10% für die Rechtschreibung berechne. Wenn ich beispielsweise den Aufsatz inhaltlich mit 15 Punkten bewerte, dann vergebe ich 1,5 Punkte für die Rechtschreibung und bei Bedarf zusätzlich 0,5 Punkte bis einen Punkt (1,0) für die Zeichensetzung. Daraus ergibt sich beispielsweise eine Gesamtpunktzahl von 17,0 Punkten (15 + 1,5 + 0,5 = 17,0).
Errechnung des Fehlerquotienten (FQ) und anschließende Bepunktung
Der Fehlerquotient wird folgendermaßen berechnet:
Fehleranzahl * 100 geteilt durch die Anzahl der geschriebenen Wörter
Beispiel: Ein Schüler hat 10 Rechtschreibfehler gemacht und 500 Wörter geschrieben.
Rechnung: (10 * 100): 500 = 2
Es wurde somit ein FQ von 2 erreicht.
Diesen Wert muss man anschließend in einer von einem selbst festgelegten Bewertungsskala einordnen. Gehen wir davon aus, dass die Rechtschreibung mit 1,5 Punkten bewertet wird, könnte die Bewertungsskala so aussehen:

Hier ist man selbst „das Zünglein an der Waage“ – je nachdem, wie man den Fehlerquotienten bepunktet, verändert sich an der Gesamtpunktzahl viel oder nicht so viel. Am fairsten für die Schülerinnen und Schüler ist es, wenn Bewertungen in der Fachschaft miteinander besprochen und festgelegt werden, sodass in Bezug auf die Rechtschreibung die gleichen Bewertungskriterien für alle Klassen einer Jahrgangsstufe in Deutsch gelten.
Bewertung der Rechtschreibung – theoretisch nicht nur im Deutschunterricht
Das klingt in der Theorie einleuchtend, dass Rechtschreibfehler – egal in welchem Unterrichtsfach – in der schriftlichen Beurteilung einen Platz haben. In der Praxis allerdings sieht das bei mir in den Fächern, die nicht Deutsch sind, anders aus. Vor einigen Jahren habe ich mir für viele Jahre die Mühe gemacht, die Rechtschreibung sowie Zeichensetzung in den umfangreichen Praktikumsberichten meiner Schülerinnen und Schüler zu kennzeichnen. Damit war ich sehr lange beschäftigt. Da es mir ausschließlich auf den Inhalt ankam, wollte ich die Rechtschreibung in der Benotung nicht berücksichtigen, aber gleichzeitig aufzeigen, wo die Fehler lagen. Es wäre aus meiner Sicht demotivierend gewesen, eine Schülerin hätte einen inhaltlich perfekten Praktikumsbericht abgegeben und ich hätte ihr dann für diesen nur die Note 2,0 gegeben, weil sie so viele Rechtschreibfehler gemacht hat. Heute schreibe ich mir lediglich die Wörter über bestimmte Begriffe, die ich erst sinnentnehmend verstehen kann. Auf das Anstreichen der Rechtschreibung sowie Zeichensetzung verzichte ich, da es meines Erachtens dadurch keinen Erkenntniszuwachs bei den Schülerinnen und Schülern gibt. Wollte ich diesen erreichen, müssten die Schülerinnen und Schüler ihren Praktikumsbericht nochmals in Bezug auf die Rechtschreibung und Zeichensetzung überarbeiten. In dem Fall dürfte ich allerdings auch nicht die Lösung – also um welchen Fehler es sich handelt – dazuschreiben, damit sie jeden Fehler selbst nachvollziehen müssen. Das würde den Schülerinnen und Schülern extrem viel Energie und Zeit rauben und ich müsste die Berichte mindestens noch einmal nachschauen (und wieder bewerten). Dazu benötigt man von allen Seiten einen „langen Atem“ und investiert viel Zeit, die aus meiner Sicht zielführender eingesetzt werden kann. Schülerinnen und Schüler entdecken nämlich meist nur ihre eigenen Fehler, wenn sie darauf hingewiesen werden.
Das klingt jetzt nach einer eher resignierten Strategie oder nach einer sinnvollen Kosten-Nutzen-Analyse. Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, wird sie auch durch das Verbessern von Wörtern, die einem vorgegeben wurden, nicht langanhaltend optimieren. Um die Rechtschreibung einzuüben und zu verbessern, halte ich das Lesen von Büchern unerlässlich, mit denen man gleichzeitig auch sein Repertoire an Satzbauten sowie Begriffen erweitern kann.
Bewertungsraster gibt es verschiedene
Es gibt unzählige Wege, wie man zu einer Note für einen Aufsatz kommt.
Während meine Freundin ihre Bewertung optisch festlegt, mache ich das anhand eines Bewertungsrasters, bei dem ich Punkte verteile. Das Festlegen der Punktzahl sowie das Setzen der Kreuze haben meines Erachtens den gleichen Schwierigkeitsgrad in der Beurteilung einer Leistung.


Mir fällt das Korrigieren mit der Bepunktung leichter. Das liegt vielleicht daran, dass ich Deutsch nicht so intensiv und detailliert wie meine Kollegin, die Realschullehrkraft ist, studiert habe. Mir hilft die Bepunktung sehr, denn ich erhalte abschließend eine Punktzahl, die ich zu einer Note umrechnen kann. Würde ich mit Kreuzen an den verschiedenen Polen arbeiten, müsste ich mir abschließend überlegen, was das „Kreuzbild“ wert ist. Daraus eine Note festzulegen, würde mir sehr schwerfallen.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Anhand der Ausführungen sieht man, wie relativ willkürlich die Bewertungssysteme sind. Die Lehrkraft legt sich eine Bewertungsskala zurecht und verteilt nach ihrer Einschätzung, was einen guten Aufsatz ausmacht, die Punkte. Sie legt meist fest – außer in der Fachschaft wurde etwas Allgemeines und Verbindliches beschlossen –, mit wie vielen Punkten sie die Rechtschreibung bewertet und bestimmt zudem, welcher FQ welche Punktzahl erhält. Leider ist das Vorgehen nicht objektiver zu machen. Wichtig ist deshalb, dass man den Schülerinnen und Schülern zuvor transparent aufzeigt, wie sich die Noten errechnen. Aus diesem Grund sammle ich fast immer die von den Schülerinnen und Schülern angefertigten Aufsätze ein und bewerte sie nach meinem Bewertungsraster. Merke ich, dass dieses nicht optimal ist, passe ich es an und bespreche die Überarbeitung mit meinen Schülerinnen und Schülern. Auf diese Weise üben die Schülerinnen und Schüler bereits das Schreiben nach meinen Bewertungskriterien und erleben keine Überraschungen in der Beurteilung, wenn sie eine korrigierte Klassenarbeit zurückerhalten.
Im Blog 6.3 möchte ich darauf eingehen, wie die Notengebung und Bewertung erfolgt, wenn man die Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung (in der Sonderpädagogik) zugrunde legt.
Fußnoten:
[1] Vgl. https://www.landesrecht-bw.de/bsbw/document/jlr-NotBildVBWV24P9b, entnommen am 26.08.2025
[2] Vgl. https://www.landesrecht-bw.de/bsbw/document/jlr-NotBildVBWV24P9b, entnommen am 26.08.2025
Quellen
Internet
Bewertung der deutschen Rechtschreibung: Verordnung des Kultusministeriums über die Notenbildung (Notenbildungsverordnung, NVO) Vom 5. Mai 1983 IN: https://www.landesrecht-bw.de/bsbw/document/jlr-NotBildVBWV24P9b, entnommen am 25.08.2026
Bewertungskriterien für Deutschaufsatz: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/sprachen-und-literatur/deutsch/sprache/aufsaetze/vorgangsbeschreibung, entnommen am 26.08.2025
Kriterien der Rückmeldung - Texte bewerten und beurteilen IN: https://lehrerfortbildung-bw.de/u_sprachlit/deutsch/gym/bp2004/fb3/01_prozesse/3_bewert/2_rueck/, entnommen am 26.08.2025