Notengebung: Nichts einfacher als das?!
Noten: Fairness und Gerechtigkeit
Wenn man an Bewertungen in der eigenen Schulzeit und die Notenvergabe von Lehrkräften denkt, kommen einem Gefühle hoch, weil man über viele Jahre hinweg den Beurteilungen hilflos ausgesetzt war. Oft hat man sich dabei nicht gerecht behandelt oder gesehen gefühlt. In meiner Schulzeit wurden Zeugnisnoten im Plenum vorgelesen und man wusste, wie auch die Mitschülerinnen und Mitschüler im Gegensatz zu einem selbst abgeschnitten hatten. Noch einen „draufgesetzt“ hatte ein Lehrer, der bei mir in der 10. Klasse Geographie unterrichtete. Er gab Klassenarbeiten geordnet von der schlechtesten zur besten Bewertung aus. So wusste man, wer diese Arbeit „verhauen“ hatte und wer besser war als man selbst. Natürlich hoffte man in der Situation, nicht die nächste zu sein, die die Arbeit zurückerhält.
Noten machen etwas mit einem: Sie können für viel Rückenwind und ein positives Selbstbild sorgen oder die eigene Wahrnehmung in das Gegenteil verkehren.
Wer Noten gibt, hat Macht – ob er will oder nicht. Deshalb ist dieser Bereich des Lehrerberufs auch ein sehr unbeliebter.
Ziele des Blogs
In diesem Blog werden Themen rund um das Benoten angerissen. Es wird sich damit auseinandergesetzt, was Noten aussagen und dass es mit Herausforderungen verbunden ist, wenn man versucht, objektiv Noten zu erteilen. Der Verzicht auf die Notengebung und seine Folgen werden kurz beleuchtet. Zudem wird auf die Leistungsfeststellung im Rahmen der Individuellen Lern- und Entwicklungsbegleitung (ILEB) eingegangen.
Noten und ihre Aussagekraft
Noten werden in den Zifferzahlen 1 bis 6 ausgedrückt, wobei die Note 1, die beste zu erreichende Note ist. Was Noten konkret über die Leistungen von Schülerinnen und Schülern aussagen, ist nicht so einfach zu greifen. Sie teilen im Zeugnis mit, dass eine Schülerin / ein Schüler im Durchschnitt eine Ziffernote für die Mitarbeit über das gesamte Schuljahr erhält. Welche Teilleistungen (z. B. mündliche Mitarbeit, Klassenarbeiten, Projektarbeiten, Portfolios) sie beinhalten und wie dort im Einzelnen abgeschnitten wurde, kann man aus ihnen nicht erschließen. Daher sagen sie auf jeden Fall nur etwas über einen bestimmten schulischen Bereich aus, aber nicht über die gesamte Persönlichkeit einer Schülerin / eines Schülers.
Grenzen der Objektivität
Das Erteilen von Noten ist nicht besonders objektiv, selbst wenn man sich um Objektivität bemüht. Denn schon mit dem Festlegen einer Bewertung steuert man bereits das Ergebnis einer Arbeit. Die von mir konzipierten Klassenarbeiten und auch die Projektarbeiten erhalten für einzelne Aufgaben bzw. Teilleistungen Punkte. Durch das Festlegen der Punktzahl für bestimmte Aufgaben bestimme ich die Note. Wenn ich Wiederholungsaufgaben, die recht einfach zu bewältigen sind, in Bezug zu Transferaufgaben, von denen eine höhere kognitive Anforderung ausgeht, prozentual mit mehr Punkten versehe, dann haben auch Schülerinnen und Schüler eine Chance auf eine gute Note, die evtl. nur auswendig gelernt und den Stoff nicht verstanden haben. Die Schülerinnen und Schüler, die mit Bravour die Transferaufgaben gemeistert haben, erhalten dann in Relation zu ihrer Leistung im Gegensatz zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern einen kleineren Punkteanteil. Man muss sich während der Planung der Arbeit bereits bewusst sein, dass nichts komplett objektiv ist, auch wenn man sich so darum bemüht und die Schülerinnen und Schüler bereits während der Arbeit wissen, welche Leistung wie viel Punkte bringt.
Bewertung ohne Noten
Man könnte meinen, dass es einfacher ist, verbale Beurteilungen zu schreiben als Noten zu geben, allerdings sind auch diese mit Herausforderungen verbunden. In ihnen muss man die über das Schuljahr erbrachten Leistungen in Worte fassen und auf den Punkt bringen. Dabei gelten die von einer Lehrkraft zugrunde gelegten Maßstäbe und Eindrücke. Problematisch bei verbalen Beurteilungen ist, dass sie eine Vergleichbarkeit für Betriebe und Universitäten noch weniger ermöglichen als das die Noten bisher tun. Es würde viele Ressourcen in den dortigen Gremien bündeln, herauszufinden, wer zu ihnen passt und wer nicht. Vermutlich gibt es aus diesem Grund bisher keine Abschlusszeugnisse, die aus verbalen Beurteilungen bestehen.
Bewertung von Aufsätzen
Im Fach Deutsch ist das Bewerten von Aufsätzen neben der Rechtschreibung ein interessantes Unterfangen. Während meine Freundin den Aufsatz als „Gesamtkunstwerk“ betrachtet und bewertet, gebe ich für seine einzelnen „Bausteine“ Punkte und nehme ihn auf diese Weise auseinander. Mit dieser Thematik beschäftige ich mich intensiv in Blog 6.2.
ILEB: Leistungsfeststellung
Die Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung (ILEB) gibt es seit 2013 verpflichtend an allen Lernorten, an denen Schülerinnen und Schüler mit einem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot beschult werden.
Bei der Leistungsfeststellung durch ILEB geht es darum, Lernprozesse erfolgreich zu optimieren. Mit Hilfe verschiedener diagnostischer Methoden werden die Leistungen einer Schülerin / eines Schülers ermittelt. Es gilt herauszufinden, welche individuellen Angebote, Schülerinnen und Schülern helfen, aktiv an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Dabei steht nicht im Vordergrund, dass die Schülerinnen und Schüler Inhalte lernen, sie wiedergeben können und dafür eine Note erhalten. In erster Linie geht es um den Erwerb spezifischer Kompetenzen und die Steigerung der Aktivität und Teilhabe der Schülerinnen und Schüler an dem gesellschaftlichen Leben. Es werden mit ILEB viele Bereiche des Schullebens beleuchtet, wie u. a. individuelle Maßnahmen in der Schule, die Professionalität von Lehrpersonen und auch die Fortschreibung von Bildungsangeboten im Schulcurriculum.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Das Erteilen von Noten oder auch verbalen Beurteilungen macht keiner Lehrkraft Freude. Man teilt durch sie die Schülerinnen und Schüler in „gut“ und „schlecht“ ein, obwohl nur Facetten des Könnens und der Persönlichkeit beleuchtet werden.
Es fehlt den Noten an Objektivität, die sich leider aus meiner Sicht auch bei den allergrößten Bemühungen nicht einstellen kann. Toll wäre es, wenn man individuelle Noten festlegen könnte, die den individuellen Lernzuwachs etc. beurteilen. In diesem Fall würde jedoch keine Vergleichbarkeit gewährleistet sein, die wir aber im Ausbildungssystem – in den Betrieben und an den Universitäten – benötigen.
Mit Absicht habe ich hier nur einen groben Überblick über das Thema gegeben. Wer von euch mehr über die Bewertung von Schülerleistungen wissen möchte, ist herzlich eingeladen in den Blogs 6.1 bis 6.3 danach zu stöbern. Während in 6.1 u. a. darauf eingegangen wird, wie man Punkte in eine Note umrechnen kann, findet ihr in Blog 6.2 hilfreiche Informationen rund um die Aufsatzbewertung in Deutsch. Blog 6.3 beschäftigt sich mit ILEB. In den Blogs sind zudem hilfreiche Links zu finden.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Lust hättet, euch noch intensiver mit dem interessanten Thema zu befassen. Ich wünsche euch viel Spaß dabei!