Ordnung ist ein wichtiger Teil des Schullebens
Wie strukturiere ich die Unterrichtsmaterialien?
Damit ich den Unterricht nicht jedes Schuljahr neu konzipieren muss und auch auf bereits vorbereitete Stunden mühelos zugreifen kann, habe ich mir über Jahre ein System entwickelt, das komplex ist und mir einen guten Überblick über meinen Unterricht ermöglicht.
Ziele des Blogs
In diesem Blog wird aufgezeigt, wie man seinen Unterricht so abspeichern kann, dass man ihn sehr schnell wiederfindet. Dazu sind die Informationen aus dem 4. Blog hilfreich. Zudem setze ich in Kenntnis darüber, wie ich meine Stundenplanung für die kommende Unterrichtssitzung verschriftliche. Auf meine Notenbildung werde ich eingehen und aufzeigen, wie ich sie für meine Schülerinnen und Schüler transparent mache und welche alternativen Möglichkeiten es dazu gibt. Ich hoffe, dass ich durch das Aufzeigen meines Speicherungssystems Impulse gebe, wie man sich mit der Unterrichtsplanung sowie Materialienflut organisieren kann.
Alles digital
Einige Jahre nach meinem Referendariat bin ich irgendwann auf die Idee gekommen, dass es sehr sinnvoll ist, wenn ich den gesamten Unterricht in digitaler Form vorhanden habe, weil sich die Dateien nicht so leicht verlegen lassen, wie ein Arbeitsblatt, das man von einem Kollegen bekommen hat und das man eigentlich noch abheften wollte. Das bedeutet, dass ich analoges Unterrichtsmaterial einscanne und mit System abspeichere.
Mein Abspeicherungssystem entspricht in der Logik der des Stoffverteilungsplans.
Mein System
Zunächst habe ich für jede Abteilung bzw. Bildungsgang, in der ich unterrichte, einen Ordner angelegt. Hinter diesem befinden sich alle Fächer, die ich in dem Bereich unterrichtet habe oder auch noch unterrichte. Theoretisch kann man u. a. auch einen Ordner mit „Organisatorischem“ anlegen – dort können Lerngangantragsformulare oder auch Informationen, die man als Klassenlehrkraft erstellt, wie Elternbriefe oder PPPräsentationen der Klassenpflegschaften, abgelegt werden.

Unterrichtsfächer des Ordners „Sonderberufsfachschule“
Quelle: Mein Computer
Mein System
Klickt man den Ordner „BOSS“ an, verbergen sich analog zu der Ordnung des Stoffverteilungsplans seine einzelnen (Ober-)Themen und noch weitere Dateien, auf die ich ohne Suche schnell Zugriff haben möchte.

Überblick über die Unterrichtsthemen analog des Stoffverteilungsplans
Quelle: Mein Computer
Hinter jedem Oberthema-Ordner verbergen sich dann die einzelnen Unterrichtsstunden. Hier sieht man exemplarisch, was sich hinter dem 4. Thema versteckt.

Überblick über die Unterrichtsstunden des 4. Themas „Bewerbungsgespräch“
Quelle: Mein Computer
Öffnet man das Thema „4.3 Un-erlaubte Fragen“, so erkennt man die Dateien, die ich für das Unterrichten erstellt oder abgespeichert habe bzw. benötige. An oberster Stelle sieht man, dass es ein Arbeitsblatt mit der Abkürzung AB[1] in pdf gibt. Es hat keine Lösung. Man erblickt im Gegensatz dazu beim Multiple Choice-Arbeitsblatt das Kürzel Lsg, das für die Lösung steht. Es gibt dieses Arbeitsblatt sowohl für die Schülerinnen und Schüler zum Ausfüllen bzw. bearbeiten als auch für die Lehrkraft in ausgefüllter Form (als Lösung). Unverzichtbar ist die Datei, die immer am Ende das Wort „Struktur“ stehen hat. Es handelt sich dabei um die Strukturskizze der Unterrichtsstunde.

Überblick über die Unterrichtsstunde „4.3 Un-erlaubte Fragen“
Quelle: Mein Computer
Ausdrucken
Jede Unterrichtsdatei drucke ich komplett aus - mit Strukturskizze und allen Arbeitsblättern. Wahrscheinlich bin ich in der Hinsicht absolut „old school“, aber im Notfall – falls moodle nicht funktioniert, kann ich die Arbeitsblätter für die Schülerinnen und Schüler kopieren und habe die Lösungen auch immer parat.
Jede ausgedruckte Unterrichtsstunde kommt in eine Prospekthülle. Das Blatt, das in der Hülle oben liegt, ist immer das mit der Strukturskizze. Beim Ausdrucken mehrerer Unterrichtsstunden hintereinander muss man aufpassen, dass man immer als erstes die Strukturskizze ausdruckt – nicht nach der Reihenfolge der Dateien gehen!!! – denn so weiß man, wann die Ausdrucke für die neue Unterrichtsstunde beginnen.
Abheften
Für jedes Unterrichtsfach habe ich eigene Leitzordner. Mit Trennstreifen separiere ich in den Ordnern die einzelnen (Ober-)Themen des Stoffverteilungsplans. Anhand der Nummerierung der Strukturskizzen lassen sich die Unterrichtsstunden-Ausdrucke in den Prospekthüllen einfach aus- und wieder einsortieren.
Die Unterrichtsstunde, die ich für meinen nächsten Einsatz benötige und die darauffolgende ordne ich in meinem Leitzordner nach ganz vorne, sodass ich den Unterricht für die nächste Sitzung bzw. den nächsten Tag nicht mehr suchen muss. Zudem hefte ich mit einem Heftstreifen die ausgedruckten Arbeitsblätter hinter die Prospekthülle.
Unterricht: wo bin ich stehengeblieben und wo mache ich weiter?
Da ich verschiedene Klassen mit dem gleichen Unterrichtsthema parallel unterrichte, kann es leicht kompliziert werden, wenn die Klassen nicht im selben Unterrichtstempo arbeiten. Deshalb hefte ich nicht nur den gesamten Unterricht, den ich (für alle) Klassen in dem Fach benötige nach vorne, sondern führe zusätzlich einen Schnellhefter pro Klasse. Dieser hat vor den Bewertungsblättern der Schülerinnen und Schüler auch weiße Blätter, auf denen ich handschriftlich notiere, wo ich inhaltlich stehengeblieben bin – z. B. „Struktur 4.3 weiter bei Auswertung“ oder auch „Weiter mit Struktur 4.4“. Dabei handelt es ich um eine sehr kurze Notiz, bei der ich sofort weiß, wo ich beim nächsten Mal im Unterricht in der Strukturskizze weitermachen will. Natürlich kann man die Information noch durch zusätzliche Details ergänzen – wie z. B. „Jonas liest seine Antworten vor“. Eine digitale Version habe ich mir bisher nicht erarbeitet, da es mir leichter fällt, schnell handschriftliche Notizen in dem entsprechenden Schnellhefter vorzunehmen als dafür Strom und ein digitales Endgerät zu benötigen. Die Schnellhefter habe ich für die entsprechenden Klassen meines Stundenplans für den Tag immer dabei.
Bewertungsblätter / Notenaufschriebe
Ein Bewertungsblatt umfasst eine DIN A4 - Seite (hier optisch etwas verkürzt dargestellt). Auf den dicken Strich unter dem Unterrichtsfach und dem Schuljahr kommt der Name der Schülerin / des Schülers. In die linke Spalte schreibe ich das Datum und lege dort eine mündliche Note fest, die ich nach jedem Unterricht gebe. Das ist zwar nicht einfach, aber ich hoffe dadurch, eine relativ hohe Objektivität der mündlichen Mitarbeit zu erhalten. Bisher haben sich noch keine Schülerin / kein Schüler oder die Eltern über meine Notengebung beschwert. Das Blatt benutze ich das gesamte Schuljahr und kann auf einen Blick sehen, wie oft die Schülerin / der Schüler meinen Unterricht besucht hat. Auch die Schülerinnen und Schüler, die ein Recht haben, ihren Notenstand zu kennen, können jederzeit Einblick nehmen.
Bewertungen von Klassenarbeiten und Tests werden in der Mitte festgehalten, Bewertungen der Hausaufgaben und Sonstigem haben in der rechten Spalte Platz.

Mein Bewertungsblatt für jede Schülerin / jeden Schüler
Quelle: Mein Computer
Es gibt Kolleginnen sowie Kollegen, die solch ein Bewertungsblatt mit Excel erstellt haben. Das ist sicherlich sinnvoll, da mein Schnellhefter verloren gehen kann, was eine Datei nicht so einfach tut. Allerdings vermute ich, dass das Aufrufen der entsprechenden Bewertungsblätter im Computer und das Eintragen mehr Zeit benötigen, als wenn ich es von Hand mache. Nach einem langen Schultag ist das Eintragen der Noten aus meiner Sicht nicht sinnvoll, denn dann habe ich vermutlich teilweise keine Einschätzung von einigen Leistungen der Schülerinnen und Schüler mehr und könnte die digitale Tabelle nicht fair ausfüllen.
Es ist mir wichtig, nicht nur zwei bis vier mündliche Noten im Schuljahr zu erhalten und ich möchte diese geben, wenn sie noch „frisch“ sind.
Natürlich könnte man auch zweigleisig fahren und abends die handschriftlichen Noten aus den Bewertungsblättern in den Computer eintragen. Das ist die sicherste Variante in Bezug auf eine objektive Notengebung sowie die Archivierung, aber auch die zeitintensivste.
Um eine Excel-Tabelle, die zudem die Endnoten ausrechnet, kreieren zu können, muss man auf jeden Fall vom Fach sein oder sich die Expertise von fachkundigen Kolleginnen oder Kollegen einholen.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Die Organisation des Unterrichts bedeutet erst einmal, dass man Zeit investieren muss. Auf lange Sicht gesehen, lässt sich diese allerdings einsparen, wenn man gut geplanten Unterricht, der digital abgespeichert ist, mit ein paar Klicks wiederfinden oder auch an den jetzigen Bedarf der Schülerinnen und Schüler anpassen kann. Zudem kann man die bestehende Struktur optimieren, indem man die Arbeitsblätter oder auch die Strukturskizze überarbeitet oder ergänzt. Dies ist mit analogen Materialien so unkompliziert und zeiteffektiv nicht möglich.
Egal, wie man sich organisiert – ich bin fest davon überzeugt, dass man als Lehrkraft ein Ordnungssystem benötigt, das man beherrscht und täglich nutzt. Deshalb ist es zweckmäßig, dass sich alle, die mit dem Unterrichten beschäftigt sind, ein eigenes System erarbeiten.
Für das Ausklügeln meiner Organisation habe ich sicherlich zwei Jahre benötigt, obwohl sie so einfach klingt und eigentlich auf der Hand liegt.
Fußnote:
[1] Die Abkürzung AB steht für Arbeitsblatt.