Unterrichtskonzeption: Ziele
Wieso sind Ziele im Unterricht wichtig?
Ziele sind überall wichtig, so auch beim Unterrichten. Nur wenn man Ziele formuliert, ist klar, worauf hingearbeitet werden soll. Zudem kann man die zuvor festgelegten Ziele nach dem Unterricht abfragen und an den Ergebnissen erkennen, ob der Unterricht zielführend war.
Ziele des Blogs
In diesem Blog wird erklärt, welche verschiedenen Unterrichtsziele es gibt und wie sie sich voneinander unterscheiden.
Richtziel/Unterrichtsziel/ Grobziel:
Aus den Erklärungen der Begrifflichkeiten ergibt sich für mich, dass alle drei synonym füreinander verwendet werden können.
Mit dem Begriff Richtziel wird im Rahmen der Curriculumforschung ein übergeordnetes Lernziel beschrieben, das in der unterrichtlichen Umsetzung durch Feinziele zu ergänzen ist[1].
In Bezug auf den Fachunterricht werden Unterrichtsziele innerhalb der Logik des Faches definiert[2]. Es gelten diese Ziele folglich für einen bestimmten Unterrichtsabschnitt oder sogar für ein gesamtes Schuljahr. Unterrichtsziele legen fest, welche Kompetenzen und Kenntnisse Schülerinnen und Schüler am Ende eines Unterrichtsabschnittes/Schuljahres erworben haben sollen.
Ein Grobziel ist ein übergeordnetes, allgemeines Ziel, das in einem Bildungs- oder Unterrichtssetting formuliert wird. Es gibt die grundlegenden Themen an, die in einer bestimmten Unterrichtseinheit, einem Schuljahr oder einem Bildungsprogramm behandelt werden sollen. Grobziele sind weniger spezifisch als Feinziele und konzentrieren sich auf die wesentlichen Kompetenzen oder Lerninhalte, die die Schülerinnen und Schüler am Ende eines bestimmten Zeitraums erreichen sollen.[3]
Stundenziel:
Stundenziele werden spezifisch für eine Unterrichtsstunde definiert. Aus ihnen geht hervor, was Schülerinnen und Schüler am Stundenende gelernt haben und welche dort geschulten Fähigkeiten sie anschließend anwenden können sollen.[4]
Lernziel:
Als Konkretisierung von Richtzielen beschreiben Lernziele die mit dem Lernprozess intendierten Verhaltensänderungen der Lernenden. Zur Beschreibung von Unterrichtszielen verwendet man den Begriff des Lernziels – außer mit einer Ausnahme – nicht mehr: Im Kontext der Selbstregulation des Lernens hat die Vergewisserung über Lernziele weiterhin eine wesentliche Bedeutung.[5] Das Lernziel wird aus der Sicht der Lernenden formuliert. Es geht um das, was sie persönlich in der Auseinandersetzung mit einer Thematik lernen wollen. Im Gegensatz dazu steht das Lehrziel, das aus Sicht der Lehrkraft formuliert ist und nicht immer dem entspricht, was Lernende gelernt haben oder lernen wollten.
In den Förderplangesprächen[6] sollen die Schülerinnen und Schüler eigene Ziele formulieren, die sie erreichen möchten. Meiner Ansicht nach sind das echte Lernziele, die motivieren, sie zu erreichen, weil sie von den Schülerinnen und Schülern und nicht von der Lehrkraft kommen.
Lehrziel:
Es handelt sich hierbei um ein beabsichtigtes Ergebnis von Lehr-/Lernprozessen in Form von Kenntnissen, Kompetenzen und Einstellungen, die die Lernenden im Unterricht erworben haben sollen. Oft wird der Begriff des Lehrziels synonym zu den Begriffen Lernziel und Unterrichtsziel verwendet.[7]
Ein Lehrziel beschreibt, was eine Lehrkraft in einer bestimmten Unterrichtseinheit oder über einen bestimmten Zeitraum hinweg vermitteln möchte. Es definiert die Absichten der Lehrkraft hinsichtlich der Inhalte, Methoden und Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler erwerben sollen. Lehrziele sind oft breiter gefasst und konzentrieren sich darauf, welche Kenntnisse und Fähigkeiten die Schülerinnen und Schüler am Ende des Unterrichts vorweisen sollen.[8] Was dabei etwas außer Acht gelassen wird, ist, dass es wichtig ist, individuelle Ziele für die Schülerinnen und Schüler zu formulieren, denn es handelt sich bei den Schülerinnen und Schüler um eine heterogene Lerngruppe. Dementsprechend müssen dann auch der Unterricht bzw. einzelne Arbeitsblätter oder Sozialformen konzipiert werden.
Feinziel:
Ein Feinziel ist ein spezifisches, detailliertes Lehrziel, das innerhalb eines größeren Unterrichtsziels formuliert wird. Es beschreibt, was die Schülerinnen und Schüler nach einer bestimmten Unterrichtseinheit oder -stunde beherrschen sollen. Es gibt Anhaltspunkte für die erwarteten Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler.[9]
Kompetenzziel:
Kompetenzen beschreiben fachbezogene sowie fachübergreifende Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Lösung bestimmter Herausforderungen. Sie bilden die Basis für die Formulierungen von Bildungsstandards und inkludieren in dieser Beziehung die Motivation sowie die soziale und volitionale Bereitschaft zur Nutzung von Problemlösestrategien.[10] Kompetenzen werden an Wissensinhalte gekoppelt erworben. Sie beinhalten auch die motivationalen sowie sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten zur verantwortungsvollen Anwendung in variablen Situationen.[11]
Kompetenzziele legen folglich den Fokus auf die Entwicklung spezifischer Kompetenzen (z. B. soziale, methodische oder personale), die die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer Schulzeit erwerben sollen.[12]
Transferziel:
Unter Transfer versteht man die Anwendung von bereits erworbenem Wissen, wobei das Gelernte auf andere Bereiche übertragen wird[13].
Folglich bezieht sich ein Transferziel darauf, wie Schülerinnen und Schüler das Gelernte in neuen Kontexten anwenden können. Die Fähigkeit, Wissen und Fähigkeiten auf andere Situationen zu übertragen, wird dabei eingefordert bzw. überprüft.
Motivationsziel:
Diese Ziele wollen das Interesse und die Motivation der Schülerinnen und Schüler fördern. Sie können darauf angelegt sein, eine positive Lernatmosphäre zu schaffen und die Schülerinnen und Schüler zur aktiven Teilnahme zu ermutigen.[14]
Bewertungsziel:
Bewertungsziele legen fest, wie die Leistungen der Schülerinnen und Schüler gemessen und bewertet werden sollen. Sie helfen, die Fortschritte der Schülerinnen und Schüler zu dokumentieren und Rückmeldungen zu geben.[15]
Ehrlich gesagt, bin ich überrascht, dass es Kompetenzziele, Motivationsziele und Bewertungsziele gibt. In meiner bisherigen schulischen Laufbahn habe ich von ihnen nichts gehört – was nicht heißen muss, dass es sie nur im Kosmos der KI gibt. Vermutlich habe ich solche Ziele bereits als Lehrziele formuliert, ohne zu wissen, dass es sich um spezifische Ziele handelt.
SMARTe Ziele
Das Formulieren zweckmäßiger Ziele benötigt Muse und Zeit in ihrer Niederschrift. Will man ein Ziel hieb- und stichfest beschreiben, so muss man sich der SMART[16]en Formulierung bedienen, die dafür sorgt, dass man aufgrund ihrer Konkretheit, überprüfen kann, ob ein Ziel erreicht wurde oder nicht. Dazu müssen jedoch alle SMARTen Anforderungen erfüllt werden. Der Begriff SMART ist ein Akronym.
SMARTe Ziele und ihr Inhalt

Für meine Unterrichtsstunde habe ich versucht, exemplarisch Ziele nach dem SMARTen Prinzip aufschreiben. Ich muss leider nun vorweggreifen, dass mir die SMARTen Formulierungen nur begrenzt geglückt sind. Meines Erachtens ist es für die Unterrichtsplanung gar nicht immer möglich SMARTe Ziele zu formulieren, denn Attraktivität, Realität und Terminierung sind von der Schülerin / vom Schüler abhängig und lassen sich im Unterrichtsgeschehen deshalb auch nur schwer bis gar nicht nachprüfen.
Hier sind die exemplarisch formulierten Ziele für die Unterrichtsstunde:
Unterrichtsziel/Richtziel/Grobziel:
Unterrichtsziel der gesamten Unterrichtseinheit über „Bewerbungsgespräch“: Die Schülerinnen und Schüler agieren in Vorstellungsgesprächen souverän, sodass sie den potentiellen Chef durch ihr Auftreten und ihre Aussagen für sich begeistern.
Folgende Kompetenzen müssen dafür verstanden, verinnerlicht, eingeübt und gefestigt sein (Kompetenzziele):
Fachliche Kompetenzen
Die SuS
- bereiten sich auf typische Fragen in Vorstellungsgesprächen vor und formulieren geeignete Antworten.
- kennen ihre rechtlichen Aspekte bei Bewerbungsgesprächen (u. a. Antidiskriminierungsgesetze, die Rechte von Bewerber:innen mit Einschränkungen).
- entwickeln die Fähigkeit, auf herausfordernde oder unangenehme Fragen angemessen zu reagieren, ohne unsicher zu wirken.
- führen Rollenspiele durch, in denen sie sowohl die Rolle des Bewerbers als auch die des Interviewers übernehmen, um verschiedene Perspektiven zu verstehen und ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.
- kleiden sich entsprechend ihres Berufswunsches angemessen für das Bewerbungsfoto und auch das Vorstellungsgespräch.
Soziale Kompetenzen
Die SuS
- sprechen klar und verständlich, hören aktiv zu und reagieren adäquat auf Fragen und Kommentare des Interviewers.
- formulieren empathisch die Bedürfnisse und Erwartungen des Unternehmens an einen potentiellen Auszubildenden.
Methodische Kompetenzen
Die SuS
- bereiten sich systematisch auf das Vorstellungsgespräch vor – dazu recherchieren sie Informationen über das Unternehmen und analysieren eigene Stärken und Schwächen.
- gestalten Gespräche effizient, indem sie relevante Informationen in der gegebenen Zeit vermitteln.
Personale Kompetenzen
Die SuS
- kommunizieren überzeugend die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen.
- erläutern nachvollziehbar ihre Fähigkeiten, Begeisterung und Interesse für die angestrebte Position und das Unternehmen.
Unterrichtsziele
Die SuS
- nennen den Aufbau eines Vorstellungsgesprächs.
- geben aufgrund ihres Vorwissens, passende Antworten auf die Fragen der Chefin.
- zählen Fragen auf, die in einem Bewerbungsgespräch eigentlich unerlaubt sind.
Lehrziele (Feinziele)

Wichtig ist es auch, individuelle Lehrziele für einzelne Schülerinnen und Schüler zu formulieren und damit die Entwicklung einer jeden Schülerin / eines jeden Schülers im Blick zu haben. Dies ist vermutlich nur an einem SBBZ, wenn überhaupt, praktikabel, wo man nur wenige Schülerinnen und Schüler im Blick haben muss.
Individuelle Lernziele könnten in Bezug auf die Strukturskizze z. B. sein:
Allgemeines
- Lena meldet sich im Unterricht mindestens 5 Mal.
- Melanie ruft nicht in die Klasse rein.
Einstieg
- Keno beantwortet mindestens eine Frage der Chefin ausführlich und passend.
Erarbeitung
- Carola übt das laute Lesen vor der Klasse und liest mind. eine unerlaubte Frage mit Antwort vor.
Auswertung
- Uwe arbeitet an seinem Arbeitsblatt, ohne dabei seine(n) Mitschüler zu stören.
Ergebnissicherung
- Ingo gibt eine konstruktive Rückmeldung zu einer Antwort einer Mitschülerin / eines Mitschülers.
Wiederholung
- Michael konzentriert sich auf das Arbeitsblatt – auch wenn er nicht gleich die Lösungen findet, gibt er nicht auf.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Wie man anhand des kleinen Einblickes in die Welt der schulischen Ziele erkennen kann, handelt es sich bei diesen um ein äußerst kniffeliges sowie diffiziles Unterfangen, zweckmäßige – d. h. überprüfbare – Ziele zu formulieren, die den SMARTen Zielen entsprechen. Für das Formulieren der Ziele benötigt man viel Zeit, die man auf jeden Fall investieren sollte. Denn anhand der Ziele kann man erkennen, wie zweckmäßig u. a. die eingesetzten Methoden sowie Arbeitsmaterialien für den Kenntniszugewinn der Schülerinnen und Schüler waren.
Fußnoten:
[1] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 605
[2] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 742
[3] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 24.04.2025. Interessanterweise kann ich den Begriff nicht in meinem großen Pädagogik-Nachschlagewerk finden (vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 297).
[4] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 23.04.2025. Interessanterweise kann ich den Begriff nicht in meinem großen Pädagogik-Nachschlagewerk finden (vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 702).
[5] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 483
[6] Förderplangespräche finden in Baden-Württemberg an einem SBBZ zwei Mal im Jahr statt. Sie dienen dazu, mit der einzelnen Schülerin/dem einzelnen Schüler und deren/dessen Eltern ins Gespräch zu kommen. Das Gespräch wird von der Klassenlehrkraft geleitet – mit dem Ziel über individuelle Bedürfnisse und Unterstützungsbedarf zu sprechen. Dabei geht es oft nicht um ein erfolgreiches Meistern von Unterrichtsfächern, sondern um die Persönlichkeitsentwicklung.
[7] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 473
[8] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 23.04.2025. Interessanterweise kann ich den Begriff in meinem großen Pädagogik-Nachschlagewerk nicht finden (vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 702).
[9] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 23.04.2025. In meinem Pädagogik-Nachschlagewerk ist der Begriff nicht zu finden (vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 246)
[10] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 413f.
[11] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 414
[12] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 23.04.2025. In meinem Pädagogik-Nachschlagewerk ist der Begriff nicht zu finden (vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 415)
[13] vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 720
[14] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 23.04.2025.
[15] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 23.04.2025.
[16] vgl. https://www.orghandbuch.de, entnommen am 12.04.2025. Die SMARTen Ziele wurden mittlerweile durch die SMARTIE Ziele erweitert. Zu den smarten Zielen kommen noch die Begriffe INKLUSIV und EMANZIPATORISCH hinzu. Siehe dazu: chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://phase5-kollektiv.org/wp-content/uploads/2019/12/6-2b-Handout-SMARTie-Ziele.pdf, entnommen am 12.04.2025. Allerdings möchte ich mich nur mit den SMARTen Zielen auseinandersetzen, da mir der Umgang mit den zwei weiteren Begriffen nicht geläufig ist.
Quellen
Meyer, Hilbert (1987): Unterrichtsmethoden. 2: Praxisband. Berlin: Cornelsen Verlag.
Tenorth, Heinz-Elmar/Tippelt, Rudolf (Hrsg.) (2012): Beltz Lexikon. Pädagogik. Beltzverlag, Weinheim und Basel
Internet
SMARTIE Ziele:
chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://phase5-kollektiv.org/wp-content/uploads/2019/12/6-2b-Handout-SMARTie-Ziele.pdf, entnommen am 11.04.2025
SMARTE Ziele:
https://www.orghandbuch.de/Webs/OHB/DE/OrganisationshandbuchNEU/4_MethodenUndTechniken/Methoden_A_bis_Z/SMART_Regel_Methode/SMART_Regel_Methode_node.html#doc21101596bodyText1, entnommen am 12.04.2025
Informationen zur SMARTen Zielformulierung:
https://www.schulentwicklung.isb.bayern.de/fileadmin/user_upload/Schulentwicklung/Methodenkoffer/SMART-Regel.pdf , entnommen am 19.06.2025