Strukturskizze: Wie fülle ich sie mit Inhalt?

Wie komme ich nun auf Basis eines Stoffverteilungsplans zu einer konkreten Strukturskizze?

Nun geht es darum, dass die im vorherigen Blog vorgestellte Strukturskizze mit Inhalt gefüllt wird. Man muss sich also überlegen, welche Ziele man mit der Unterrichtsstunde verfolgen will und welche Inhalte man deshalb in welche der Stufen/Phasen packt. Auch wenn es mir nicht immer gelingt, sollte der Einstieg zeitlich kurz sein und Interesse auf die Auseinandersetzung mit der Thematik der Unterrichtsstunde wecken. In der Erarbeitungsphase muss die Aufgabe so anregend gestaltet sein, dass Schülerinnen und Schüler motiviert an einer Lösung bzw. einem Produkt arbeiten. Die Besprechung der Ergebnisse aus der Erarbeitungsphase (Auswertung) muss so konzipiert sein, dass die Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen und anderen Mitschülerinnen und Mitschülern zuhören. Das in der Phase erarbeitete Ergebnis wird nun durch passende Aufgabenstellungen gesichert (Ergebnissicherung) und abschließend werden die Inhalte der Stunde zur Festigung wiederholt (Wiederholung). Bei all diesen Phasen müssen die Schülerinnen und Schüler „bei Laune“ gehalten werden. Der Unterricht muss etwas mit ihrer Lebenswelt zu tun haben und ansprechend für sie sein, damit sie aufmerksam sind und lernen möchten – eine „hohe Kunst“.

Ziele des Blogs

In diesem Blog wird erklärt, wie man von einem Stoffverteilungsplan exemplarisch zu einer konkreten Unterrichtsstunde gelangt. Zudem werde ich aufzeigen, wieso die Strukturskizze als Unterrichtsvorbereitung (für mich und eigentlich für jede*n Unterrichtende*n) unverzichtbar ist.

Vom Stoffverteilungsplan zur Strukturskizze

Auf den Stoffverteilungsplan des Unterrichtsfaches „Berufsorientierung in der Sonderberufsfachschule“ (BOSS) aus Blog 2 und 3 greife ich wieder zurück. 

Man sieht hier, dass bereits zwei Unterrichtsstunden aus dem Stoffverteilungsplan vor dieser Unterrichtsstunde liegen (4.1 und 4.2) und welche auf die Unterrichtsstunde 4.3 folgen werden (4.4, 4.5 etc.)[1]. Auf meine persönliche Art der Organisation im Computer und auch in Bezug auf die Bewertung gehe ich in Blog 5 intensiv ein.

 

Stoffverteilungsplan: eine Doppelstunde "4.3 Un-erlaubte Fragen" des Oberthemas "4. Bewerbungsgespräch"

Für diese exemplarische Unterrichtsstunde habe ich mich entschieden, weil sie den Schülerinnen und Schülern in der Praxis immer viel Spaß bereitet und einen großen Erkenntniszugewinn bietet. Auf der Internetseite der Agentur für Arbeit finden sich dazu thematisch viele Inhalte[2] – vor einiger Zeit waren auch alle Materialien für die Unterrichtsstunde auf dieser Seite anzutreffen. Das Arbeitsblatt über „Erlaubte und unerlaubte Fragen“ finde ich jedoch leider nicht mehr. 

Meine Strukturskizze gliedert sich in folgende waagerechte Inhalte: Zeit, Stufung/Phase, Verhalten/Aktivitäten, Impuls/Bemerkung und Medien. In fünf Stufen/Phasen teile ich den Unterricht mit senkrechten Inhalten auf[3]: Einstieg, Erarbeitung, Auswertung, Ergebnissicherung und Wiederholung.

Wie sieht eine Strukturskizze aus und wofür benötigt man sie?

So sieht meine Strukturskizze für die Unterrichtsstunde „4.3 Un-erlaubte Fragen" aus: 

Strukturskizze "4.3 Un-erlaubte Fragen"

Wie genau liest man die Strukturskizze?

Man sieht hier, dass zum Einstieg in die Unterrichtsstunde ein kurzes Video mit den Schülerinnen und Schülern geschaut wird. Das Video handelt von einem Bewerbungsgespräch. Die Lehrkraft stoppt das Gespräch, wenn der Bewerber etwas gefragt wird und lässt ihre Schülerinnen und Schüler antworten, was sie in der Situation sagen würden. Durch das Reinversetzen in die Bewerbungssituation merken die Schülerinnen und Schüler schnell, dass es gar nicht so einfach ist, spontan sinnvolle Antworten zu geben. Folglich muss man sich auf solch ein Gespräch intensiv vorbereiten, damit man einen guten Eindruck hinterlässt. Diese Einstiegsphase ist zeitlich nicht einfach einzuschätzen und passt eigentlich nicht zu den Einstiegen, die ich ansonsten eher mit einem kurzen Spiel oder auch einem Bild mit einer passenden Frage dazu anbiete. Der Link zum Video befindet sich unter der Strukturskizze, da in dem eigentlichen Medienfeld zu wenig Platz für den Link ist[4].

Gemeinsam wird in der Phase der Erarbeitung mit den Schülerinnen und Schülern das Arbeitsblatt der Agentur für Arbeit mit unerlaubten Fragen und deren möglichen Antworten gelesen. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisiert, dass sie theoretisch nicht jede Frage beantworten müssen. Da es jedoch ungeschickt ist, Fragen „abzublocken“, muss man sich überlegen, wie man diesen elegant ausweicht bzw. wie man ihnen charmant begegnet. Natürlich könnten sich die Schülerinnen und Schüler dieses Arbeitsblatt auch in Einzelarbeit durchlesen, allerdings kommen dann keine Kommentare oder Diskussionspunkte auf. Deshalb ist hier eine Zusammenarbeit im Plenum äußerst zielführend, auch wenn der Einstieg bereits im Plenum stattgefunden hat.

Zur Auswertung müssen die Schülerinnen und Schüler nun selbst schriftlich unerlaubte Fragen beantworten. Aufgrund ihres angehäuften Wissens müssten sie in der Lage sein, die Fragen ausweichend und freundlich zu erwidern. Diese Aufgabe kann in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit erledigt werden. Damit man sich nicht während der Aufgabenbearbeitung ausruhen kann, würde ich dieses Arbeitsblatt die Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit ausfüllen lassen. Wer schneller fertig ist, muss zwei weitere Aufgaben auf der Seite der Agentur für Arbeit erledigen: Zum einen ist es das Erarbeiten eines Quiz, zum anderen das Lesen eines Interviews. Falls beide Aufgaben bewältigt wurden und immer noch nicht alle Schülerinnen und Schüler mit der Erarbeitung des Arbeitsblattes fertig sind, soll der Schüler das Wichtigste aus dem Interview zusammenfassen und seine Erkenntnisse anschließend dem Plenum vorstellen. Da die Schülerinnen und Schüler ein Recht darauf haben, dass sie ihre Lernzeit in der Schule absolut nutzen, ist es aus meiner Sicht von großer Bedeutung, dass sie keinen (ständigen) zeitlichen Leerlauf haben, sondern Zusatzaufgaben erhalten, wenn sie schneller arbeiten als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler (zeitliche Differenzierung). 

Um das Ergebnis ihrer Anstrengungen zu sichern, lesen die Schülerinnen und Schüler ihre Antworten vor. Die Mitschülerinnen und Mitschüler werden dazu (automatisch) Stellung beziehen und erklären, warum sie die Antwort für gelungen halten oder auch nicht.

Zur Wiederholung erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler ein Multiple-Choice-Arbeitsblatt zu erlaubten und unerlaubten Fragen. Da in dieses ein Rätsel integriert wurde, können die Schülerinnen und Schüler anhand dessen selbst überprüfen, ob sie sich gut auskennen oder sich noch Wissen zur passenden Lösungsfindung aneignen müssen. Die Phase der Wiederholung kann während des Unterrichts stattfinden oder das Arbeitsblatt als Hausaufgabe aufgegeben werden. Die zur Verfügung stehende Unterrichtszeit gibt vor, für welche Variante man sich entscheidet.

Auf zeitliche Angaben verzichte ich seit Langem, deshalb sind die Zeitangaben in Minuten rot geschrieben. Man kann zwar Richtwerte eintragen, aber meist dauert die Phase länger als angegeben. Wenn es sich als notwendig herausstellt, dass man über bestimmte Inhalte diskutiert, breche ich das Gespräch nicht ab, nur weil in der Strukturskizze steht, dass ich dafür eigentlich keine Zeit mehr habe. Für „Newcomer“ sind diese Zeitfenster jedoch unerlässlich, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, was sich die Schülerinnen und Schüler in welcher Zeitspanne erarbeiten können. Während Unterrichtsbesuchen und Lehrproben ist es immens wichtig zeitlich „on point“ zu sein – in der täglichen Arbeit ist das anders.

Verwendete Methoden im Unterricht führe ich nicht explizit auf, sie sind unter Verhalten/Aktivitäten oder auch Medien zu finden. Was jedoch noch alles bei der Konzeption einer Strukturskizze zu beachten ist, möchte ich in den folgenden Blogs näher beschreiben – wie u. a. Ziele, Sozialformen und Differenzierungsmöglichkeiten. Spätestens jetzt bemerkt man, dass das Vorbereiten von Unterricht und auch dessen Durchführung eine Kunst ist, die man nicht einfach so erlernen und die dazugehörigen Fähigkeiten nicht einfach so „aus dem Ärmel schütteln“ kann. 

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Die Überschrift dieses Blogs lautet: „Strukturskizze: Wie fülle ich sie mit Inhalt?“ Aus meiner Sicht ist deutlich geworden, wozu man die Strukturskizze benötigt – nämlich um im Unterricht den absoluten Durchblick zu behalten. Mit Hilfe der Strukturskizze kann ich auch einen gelungenen Unterricht halten, obwohl ich diesen bereits einige Monate zuvor geplant habe. Das macht mich in meinem Agieren viel freier als wenn ich mittags – oder auch oft abends – aus der Schule komme und weiß, dass ich die Stunden für den nächsten Tag noch konzipieren muss. Merke ich, dass in meinem Aufbau der Unterrichtseinheit inhaltlich noch etwas fehlt, kann ich mir neue und passende Unterrichtsstunden erarbeiten und sie zwischen die bestehenden einfügen. Auch weil ich meine Strukturskizzen digital anfertige, kann ich sie leicht optimieren oder verändern. 

Fußnoten:

[1] Siehe Stoffverteilungsplan Blog 3.2, S. 2f.

[2] Internetseite der Agentur für Arbeit für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte: https://planet-beruf.de/schuelerinnen, entnommen am 17.04.2025

[3] Bei Gruppen- und Stationenarbeit eignet sich eine andere Struktur. Angelehnt ist die Struktur an die Vorgabe von Meyer 1987, S. 121 ff.

[4] Hier ist der Link für das Bewerbungsgespräch von der Agentur für Arbeit: https://planet-beruf.de/schuelerinnen/video/video-ablauf-eines-vorstellungsgespraechs, entnommen am 20.04.2025

 

 

Quellen

Meyer, Hilbert (1987): Unterrichtsmethoden. 2: Praxisband. Berlin: Cornelsen Verlag.

Internet

Allgemeine Informationsseite für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Agentur für Arbeit: https://planet-beruf.de/schuelerinnen, entnommen am 04.07.2025

Download für Arbeitsblätter von der Agentur für Arbeit:

https://planet-beruf.de/schuelerinnen/wie-bewerbe-ich-mich/downloads-zur-bewerbung, entnommen am 04.07.2025

Vorstellungsgespräch (Einstieg) – Video der Agentur für Arbeit:

https://planet-beruf.de/schuelerinnen/video/video-ablauf-eines-vorstellungsgespraechs, entnommen am 04.07.2025

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