Wie werden die Inhalte des Bildungsplans KMENT im Stoffverteilungsplan integriert?
Wo finden sich die Inhalte des Bildungsplans KMENT im Stoffverteilungsplan wieder?
Neben den Inhalten des Bildungsplans der allgemeinen Schule müssen in einem Fachcurriculum an einem SBBZ KMENT bzw. auch bei inklusiven Settings Themen aus dem Bildungsplan KMENT implementiert werden.
Ziele des Blogs
In diesem Blog wird erklärt, wie in dem Unterrichtsfach der Berufsorientierung Inhalte des KMENT-Bildungsplans in den Stoffverteilungsplan eingearbeitet werden.
Von der Unterrichtseinheit zum Stoffverteilungsplan in der Berufsorientierung in der Sonderberufsfachschule (BOSS) (2. Schuljahr)
Ein mögliches Fachcurriculum in BOSS habe ich bereits in Blog 2.3[1] vorgestellt.
Exemplarisch ist hier das 4. Oberthema „Bewerbungsgespräch“ abgebildet:

Berufsorientierung: Fachcurriculum, Sonderberufsfachschule, 2. Schuljahr, 4. Unterrichtseinheit
Bewusst habe ich nicht das 3. Thema „Bewerben mit Einschränkungen“ gewählt, da diese Unterrichtseinheit vor allem von Personen mit Einschränkungen und ihrem Umgang in der Arbeitswelt sowie den Einschränkungen der Schülerinnen und Schüler und ihrer täglichen Auseinandersetzung damit handelt. Es wird u. a. intensiv der Frage nachgegangen, wann die Einschränkung im Anschreiben sowie im Bewerbungsgespräch genannt werden sollte. Es ist also in Bezug auf den Bildungsplan KMENT sehr einfach, Bezüge zu dieser Unterrichtseinheit herzustellen. Da die thematische Sachlage in Bezug auf die Integration des KMENT-Bildungsplans aber meist nicht so klar auf der Hand liegt, habe ich mich entschieden, exemplarisch am Thema „Bewerbungsgespräch“ die Berücksichtigung beider Bildungspläne aufzuzeigen.
Gelb sind die Themen, die einen starken Bezug zum Bildungsplan KMENT haben. Auch die Körpersprache sowie die perfekte Kleidung für das Gespräch bergen KMENT-Inhalte, nämlich dann, wenn man aufgrund seiner Einschränkung motorisch in Bezug auf Mimik und Gestik nicht kommunizieren kann, wie das Personen ohne Beeinträchtigungen tun. Auch Kleidung muss bei Personen mit Einschränkungen oft nicht nach optischen, sondern praktischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Ich hatte beispielsweise einen Schüler, der immer Jogginghosen trug, da er nur mit diesen alleine auf die Toilette gehen konnte. Tragen Schülerinnen oder Schüler spezielle maßangefertigte Schuhe, so haben sie meist nur ein Paar davon. In diesen Fällen muss man optische Beschränkungen hinnehmen. Diese Umstände sind mit den Schülerinnen und Schülern zu thematisieren. Vielleicht lassen sich Alternativen aufzeigen, meist jedoch nicht: Gerne hätte der Schüler auch schickere Hosen angezogen oder ein anderer Schüler eine große Auswahl an verschiedenen Schuhen.
Wie sieht der Stoffverteilungsplan für die Unterrichtseinheit 4 in BOSS konkret aus?



Welche Inhalte umfasst das Kompetenzspektrum[2] in Bezug auf die Unterrichtseinheit Nr. 4 genau?

Kompetenzspektrum zum Oberthema „Berufliche Eingliederung, Ausbildung, Lebensperspektiven“.
Quelle: KMENT-Bildungsplan 2015, S. 116
Es muss festgehalten werden, dass sich mit dem Schreiben des Lebenslaufs bereits in Unterrichtseinheit Nr. 2 auseinandergesetzt wird, weshalb in Bezug auf die Einheit Nr. 4 die Thematik mit dem Erstellen von Bewerbungsunterlagen vernachlässigt werden sollte, damit Themen nicht doppelt angesprochen werden. Wir wenden uns also nun dem Kompetenzspektrum in Bezug „auf die Entwicklung und Erprobung von Strategien zur Bewerbung unter Berücksichtigung motorischer und kommunikativer Funktionsbeeinträchtigungen“ zu.
Ziele in Bezug auf das Kompetenzspektrum (18 Schulstunden):
Die SuS
- beantworten selbstbewusst und passend die Fragen – auch in Bezug auf ihre Einschränkungen.
- erstellen eine Checkliste zur Vorbereitung auf ihr Bewerbungsgespräch (Mobilität, Zeitbedarf, Unterstützungsbedarf).
- beantworten schriftlich selbstbewusst, freundlich ausweichend sowie angemessen unerlaubte Fragen.
- schreiben auf, welche Begabungen, Stärken, Interessen, Schwächen sie haben.
- nennen Berufsfelder, die für sie in Frage kommen.
- formulieren eine Antwort darauf, ob sich persönliche Interessen und Fähigkeiten miteinander decken.
- entwickeln Alternativen zur gängigen Mimik und Gestik, die ihnen aufgrund ihrer Einschränkungen nicht möglich sind.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Aufgrund dessen, dass Schülerinnen und Schüler mit Einschränkungen unterrichtet werden, bringen sie sich bewusst oder unbewusst immer mit ihren Geschichten ein. Man sieht an den Lehrzielen bzw. Kompetenzen gut, dass auf den KMENT-Bildungsplan Bezug genommen wird, allerdings auch Ziele verfolgt werden, die nicht typisch für den Förderschwerpunkt KMENT sind. Das halte ich für sinnvoll, da die Einschränkungen einen Teil der Persönlichkeit ausmachen, aber eben nicht die gesamte Person. Aus meiner Sicht muss nicht ständig die eigene Einschränkung, die ja eher eine gesellschaftliche Schwäche als Stärke darstellt, Thema sein.
Wichtig ist, dass man sich stets – aber in Bezug auf die KMENT-Inhalte noch viel bewusster – in die Lage der Schülerinnen und Schüler hineinversetzt. Meist handeln sie auf eine bestimmte Weise oder gehen bestimmte Wege, weil sich diese als am praktikabelsten erwiesen haben. Man sollte als Lehrkraft vermeiden, zu denken, dass man eine bessere Idee zum Umgang mit einer Situation hat. Natürlich ist ein lösungsorientiertes Vorgehen immer angesagt, aber meist haben sich die Schülerinnen und Schüler in ihrem Leben bereits dieses erarbeitet.
Wie man vom Bildungsplan zum Fachcurriculum und von dort aus zum Stoffverteilungsplan kommt, ist nun bekannt. Im nächsten Blog werde ich zeigen, wie man vom Stoffverteilungsplan zur Planung einer konkreten Unterrichtsstunde gelangt. Nähere Informationen dazu – siehe Blog 4.
Fußnoten:
[1] Alle groben Themen der Unterrichtseinheiten (Oberthemen) kann man in 2.3 Blog 2 Fachcurriculum sehen (S. 2f.).
[2] Auszug aus dem Bildungsplan für das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (2015): https://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents_E-1909188851/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-SBBZ/SBBZ-KME/BP_SBBZ_kmE_2015.pdf, S. 116, entnommen am 16.06.2025
Quelle
Internet
KMENT-Bildungsplan:
https://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents_E-1909188851/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-SBBZ/SBBZ-KME/BP_SBBZ_kmE_2015.pdf, entnommen am 16.06.2025