Wie ist der Weg vom Fachcurriculum
zu Unterrichtsstunden?
Wie komme ich vom Fachcurriculum zu meinen Unterrichtsstunden?
Das Fachcurriculum setze ich nun als vorhanden voraus. Die einzelnen zu behandelnden Unterrichtsthemen sind festgelegt. Jetzt muss man diese konkretisieren sowie strukturieren. Die (Ober-)Themen des Fachcurriculums geben die Themen jeder Unterrichtseinheit vor, die aus aufeinander aufbauenden Unterrichtsstunden besteht. Die einzelne Unterrichtseinheit enthält Themen – auch Querschnitthemen –, Lehrziele/Kompetenzen, Methoden, Arbeitsmaterialien sowie Zeitangaben der Unterrichtsstunden. Zusammengefasst handelt es sich dabei um einen Stoffverteilungsplan.
Ziele des Blogs
In diesem Blog wird erklärt, wie man theoretisch von einem Fachcurriculum zu einem Stoffverteilungsplan kommt. Er ist die Ausgangsbasis für das Konzipieren von Unterrichtsstunden.
Wie erstellt man aus den inhaltlichen Vorgaben des Fachcurriculums einen Stoffverteilungsplan?
Mein Vorgehen ist dabei vermutlich eher „von hinten durch die Brust“. Ich möchte erklären, warum ich das so mache. Aus meiner Sicht ist es eigentlich zweckmäßig, wenn man als erstes für ein Thema aus dem Fachcurriculum die Lehrziele[1] festlegt und anschließend erarbeitet, mit welchen Inhalten sowie Methoden man diese erreichen kann. Das setzt jedoch voraus, dass man bereits einen Wissensschatz über das Thema einer Unterrichtseinheit hat und weiß, was die Schülerinnen und Schüler lernen sollen.
Da ich Lehrkraft für Sonderpädagogik bin, kann ich thematisch in allen Unterrichtsfächern eingesetzt werden – ob das sinnvoll ist, möchte ich hier nicht diskutieren – und muss mir deshalb oft Inhalte aneignen, in denen ich nicht „beheimatet“ bin – das heißt konkret: ich unterrichte Fächer, die ich nicht studiert habe.
Aus diesem Grund sichte ich zunächst die Materialien, die mir zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass ich Unterrichtsmaterialien – meist Arbeitsblätter und Texte – zusammentrage und auf ihre Eignung zur Unterrichtsverwendung überprüfe. Es gibt einige Anbieter im Internet, die Arbeitsblätter und Co. gegen Geld zur Verfügung stellen. Diese Dienste in Anspruch zu nehmen, halte ich für absolut sinnvoll, da man nicht so lange nach geeigneten Texten und Materialien suchen muss. Man gibt auf den entsprechenden Seiten Suchbegriffe ein und erhält viele Arbeitsmaterialien – oft sogar mit Lösungen. Natürlich kann man auch mit Schulbüchern oder Informationen aus dem Internet arbeiten. Mir ist wichtig, dass ich in jedem Fall auf inhaltlich korrekte Materialien zugreife. Nichts wäre fataler als Halbwahrheiten oder gar Falsches im Unterricht zu lehren. Mit Hilfe der gesammelten Materialien arbeite ich mich intensiv in die Thematik ein, sodass ich fähig bin, Lehrziele, die die Schülerinnen und Schüler in der jeweiligen Unterrichtsstunde erreichen sollen, zu definieren. Brauchbare Materialien zur Zielerreichung beziehungsweise zum Erlangen von Kompetenzen sind unter anderem Arbeitsblätter mit informativen und möglichst kurzen Texten und/oder Übungen – am besten mit entsprechenden Lösungen. Es können sich hinter den brauchbaren Materialien aber auch Erklärvideos sowie digitale Methoden (z. B. LearningApps und LearningSnacks[2]) verbergen, die ich als Bereicherung für den Unterricht empfinde. Anschließend überlege ich, welche Arbeitsblätter beziehungsweise Themen in einer Unterrichtsstunde behandelt werden sollen. Mithilfe der Materialien erarbeite ich mir eine sinnvolle Reihenfolge. Auf diese Weise erstelle ich den Stoffverteilungsplan für die einzelnen Unterrichtsstunden einer Unterrichtseinheit.
Für mich ist es ressourcensparend, wenn ich mich thematisch an einem Schulbuch „entlanghangeln“ kann. Das kommt aber eher selten vor.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Es lässt sich zusammenfassen, dass das Fachcurriculum das übergeordnete Konzept darstellt, in dem die Bildungsziele und -inhalte für einen längeren Zeitraum definiert sind, während der Stoffverteilungsplan eine konkrete Umsetzung dieser Inhalte über einen bestimmten kürzeren Zeitraum aufzeigt.
Bis man seinen Unterricht so geplant hat, dass der Stoffverteilungsplan steht, dauert es. Während das Fachcurriculum starr und fest ist, da in ihm Inhalte vorgegeben werden, die in einer bestimmten Klassenstufe in einem Fach erarbeitet werden müssen, ist der Stoffverteilungsplan in dem, was (konkrete Inhalte, Lehrziele) und wie (Methoden) man unterrichtet freier.
Wie man nun vom Fachcurriculum zum Stoffverteilungsplan kommt, möchte ich nochmal kurz aufzeigen. Dabei ist der Tabelle zu entnehmen, wie ich es tue, wie es meines Erachtens sinnvoll wäre, es zu tun und welche Schritte die KI vorschlägt.


Diese Tabelle lasse ich unkommentiert – unterschiedliche Wege führen zu Ziel. Lehrkräfte mit einem großen Vorwissen und eventuell auch bereits einem Fundus an Unterrichtsmaterialien werden anders beim Planen als ich vorgehen. Wie man vom Stoffverteilungsplan zur Unterrichtsstunde kommt, ist sicherlich nicht so wichtig, wenn die Vorgaben eingehalten werden – nämlich, dass man die durchzunehmenden Inhalte in der zur Verfügung stehenden Zeit vermittelt, Lehrziele bzw. Kompetenzen definiert und verschiedene Methoden in der Unterrichtsstunde zur Anwendung kommen.
Fußnoten:
[1] Unter einem Lehrziel versteht man ein beabsichtigtes Ergebnis von Lehr-/Lernprozessen in Form von Kenntnissen, Kompetenzen und Einstellungen, die die Lernenden erwerben sollen. Das Lehrziel wird auch synonym für den Begriff des Lernziels verwendet. (Vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 473) Lernziele beschreiben die mit einem Lehrprozess intendierten Verhaltensänderungen von Lernenden. Beim Beschreiben von Unterrichtszielen ist der Begriffe des Lernziels nicht mehr gebräuchlich. Man verwendet ihn aber im Kontext des selbstregulierten Lernens. (Vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 483)
[2] Siehe nähere Informationen auf den entsprechenden Webseiten: https://learningapps.org/ und https://www.learningsnacks.de/, beide entnommen am 10.08.2025
[3] ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner mit anschließender Überarbeitung, Fobizz, 18.04.2025
[4] Es stellt ein äußerst sinnvolles Ziel dar, sich an dem Vorwissen der Schülerinnen und Schüler zu orientieren. Dabei gilt zu bedenken, dass es in der Praxis aus Zeitgründen oft notwendig ist, eine Unterrichtseinheit zu konzipieren, ohne diese Informationen zu haben bzw. die Schülerinnen und Schüler zu kennen. In diesem Fall sollte man unbedingt Methoden in den Unterricht integrieren, mit denen man Informationen über die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler erhalten kann. Ansonsten muss man im Nachhinein den Unterricht an die Lebenswelt anpassen. Meist liegt man aber mit der Konzeption des Unterrichts nicht ganz falsch.
Quellen
Tenorth, Heinz-Elmar/Tippelt, Rudolf (Hrsg.) (2012): Beltz Lexikon. Pädagogik. Beltzverlag, Weinheim und Basel
Internet
Informationen zu LearningApps: https://learningapps.org/, entnommen am 10.08.2025
Informationen zu LearningSnacks: https://www.learningsnacks.de/, entnommen am 10.08.2025