Wie integriert man 
den SBBZ-Bildungsplan im Fachcurriculum?

Wie geht man mit zwei Bildungsplänen um?

Bereits als es in den Blogs um die Bildungspläne ging, habe ich erwähnt, dass es Bildungsgänge gibt, die zwei Bildungspläne verwenden. Da ich an einer Sonderberufsfachschule mit dem Förderschwerpunkt KMENT arbeite, muss ich mich zum einen mit dem der (Sonder-)Berufsfachschule und zum anderen mit dem KMENT-Bildungsplan auseinandersetzen. 

Ziele des Blogs

In diesem Blog werde ich der Sache auf den Grund gehen, wie man zwei Bildungspläne miteinander im Fachcurriculum integrieren könnte. Außerdem werde ich exemplarisch aufzeigen, wie ein Fachcurriculum im Unterrichtsfach BOSS (Berufsorientierung an der Sonderberufsfachschule) aussehen kann, sodass ersichtlich wird, wie der KMENT-Bildungsplan im Fachcurriculum seinen Platz findet.

Bildungsplan KMENT: Welche Ziele verfolgt er?

Besonders Wert wird im KMENT-Bildungsplan aus Baden-Württemberg darauf gelegt, dass Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung gefördert werden. Dazu müssen Schülerinnen und Schüler ein Höchstmaß an Aktivität und Teilhabe in bedeutenden Lern- und Lebensbereichen erhalten. So sollen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht in die Lage versetzt werden, ihren Alltag möglichst selbstständig zu bewältigen. Eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist dabei ein wichtiges Ziel. Auch gesundheitsbewusstes Verhalten und körperliche Aktivitäten sind zentraler Bestandteil des Bildungsplans. Der Bildungsplan ist so konzipiert, dass sich die Bildungsangebote am individuellen Bedarf der Schülerinnen und Schüler orientieren und es deshalb gelingt, dass sie ihre spezifischen Fähigkeiten und Potentiale entwickeln.[1] 

Wie integriere ich den Bildungsplan KMENT in den der allgemeinen Schule?

Da ich an einem SBBZ arbeite und nicht an einer allgemeinen Schule in der Inklusion werde ich mich darauf konzentrieren, wie man den Bildungsplan KMENT in das Fachcurriculum eines einzelnen Unterrichtsfaches integriert. Genauso wird auch eine Lehrkraft für Sonderpädagogik in der Inklusion verfahren.

Es stellt sich die zentrale Frage, welchen inhaltlichen Anteil der KMENT-Bildungsplan beim Unterrichten an einer allgemeinen Schule erhält. Im Vorwort des Bildungsplans gibt man sich in dieser Hinsicht eher nebulös. Der Bildungsplan KMENT soll den Bildungsplan des angestrebten Bildungsziels in der allgemeinen Schule oder an einem SBBZ Lernen oder GENT ergänzen[2]

Beispiel eines Fachcurriculums (Berufsorientierung in der Sonderberufsfachschule)

In der Sonderberufsfachschule an meiner Schule gibt es erfreulicherweise das Unterrichtsfach BOSS (Berufsorientierung in der Sonderberufsfachschule). Insgesamt besuchen die Schülerinnen und Schüler den Bildungsgang für drei Schuljahre. BOSS wird im zweiten Schuljahr zweistündig unterrichtet und ist kein Prüfungsfach. Im Bildungsplan findet es sich nicht verankert, weil es sich um ein individuelles Fach im Fächerkanon der Sonderberufsfachschule meiner Schule handelt. Es ist eines der sinnvollsten Fächer, die man unterrichten kann, denn es hat einen direkten Lebensweltbezug und bereitet die Schülerinnen und Schüler auf das Leben nach der Schule vor. Darüber hinaus besitzt es Anteile aus dem Bildungsplan der allgemeinen Schule und aus dem KMENT-Bildungsplan.

Im Unterrichtsfach geht es darum, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Neigungen und Fähigkeiten entdecken und sich über einen Beruf informieren, der ihnen in der Ausübung Spaß bereiten wird. Für eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bzw. Praktikumsplatz werden vollständige Bewerbungsunterlagen erstellt. Fester Bestandteil des Fachcurriculums ist das Absolvieren eines zweiwöchigen Praktikums. Die Schülerinnen und Schüler müssen ihre Erfahrungen sowie neue Erkenntnisse im Praktikumsbericht festhalten. Abschließend bringen sie anhand einer PowerPoint-Präsentation ihren Mitschülerinnen und Mitschülern der ersten und zweiten Klassen den Praktikumsberuf und das, was sie während des Praktikums erlebt haben, näher.

Auch das Führen von Bewerbungsgesprächen wird theoretisch gefestigt sowie eingeübt.

So könnte aus meiner Sicht ein Fachcurriculum aussehen (gelb sind dabei die Anteile, bei denen der KMENT-Bildungsplan „Bildungsbereich Arbeit“[3] eine Rolle spielt): 

Wie man sieht, ist dieses Curriculum inhaltlich nicht streng „festgezurrt“ und in Bezug auf die zeitliche Durchführung vage. Die Zeiträume der Praktikumsdurchführung sowie der der anschließenden Präsentationserarbeitung sind immer etwas unterschiedlich. Dadurch, dass zu Schuljahresbeginn meist erst einmal die Bewerbungsunterlagen (für die Praktikumsbetriebe) erstellt werden müssen, ist davon auszugehen, dass nicht alle geplanten Unterrichtsstunden/-einheiten des 1. Themas oder auch 3. Themas fertig bearbeitet werden können. Nicht durchgenommene Themen, die als besonders wichtig erachtet werden, sollen dann nach den Praktikumspräsentationen besprochen werden. Als sehr sinnvoll erweist es sich, auch die Schülerinnen und Schüler in die Unterrichtsplanung einzubeziehen, sodass sie sich wünschen können, welche Informationen sie im Unterricht erhalten möchten. Bei einem thematischen Angebot wissen sie immer sehr gut, welche Inhalte ihnen noch nicht so geläufig sind und wählen eigentlich immer diese. 

Die Angabe der Zeiten für die Erarbeitung einer Unterrichtseinheit[4] können lediglich ungenau im Vorhinein geschätzt werden und sind deshalb Richtwerte. In der Regel benötigt man eher mehr Zeit zur Durchführung, denn man kann zu Schuljahresbeginn nicht eindeutig vorhersagen, wann evtl. die Klasse im Schuljahr fehlen wird, weil sie z. B. einen Ausflug unternimmt oder auch wann die Lehrkraft ihren Unterricht nicht halten kann – z. B. aufgrund eines Fortbildungsbesuchs.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Das Fachcurriculum bietet einen Überblick über das, was grob in einem Schuljahr unterrichtet werden soll. Die Inhalte (Unterrichtseinheiten) sind mit Lehrzielen, Methoden sowie Bewertungen versehen. Man muss beim Erstellen des Fachcurriculums darauf achten, dass in diesem der KMENT-Bildungsplan bewusst beinhaltet ist.

Interessanterweise gibt es für das Erstellen eines Fachcurriculums nicht die Vorgabe, dass man den Bildungsplanbezug in diesem festschreibt. Dies wäre eigentlich sinnvoll, da man anhand der Themen erkennen kann, was sich die Schülerinnen und Schüler im Unterricht bereits erarbeitet haben. Leider fehlen beim KMENT-Bildungsplan dafür Nummerierungen, um kurz aufzuschreiben, wo das erarbeitete Thema festgeschrieben ist.

Die Lehrziele sind bei mir nicht ausformuliert zu finden, damit die obige Tabelle nicht zu umfangreich wird und man sie dann nicht mehr gut auf einen Blick lesen kann.
 

Fußnoten:

[1] vgl. ChatGPT, persönliche Kommunikation mit didactus/Unterrichtsplaner, „Welche Ziele verfolgt der Bildungsplan für die körperlich und motorisch eingeschränkten Schüler von Baden-Württemberg?“ Fobizz, 03.05.2025

[2] vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2015, S. 7 (Vorwort)

[3] vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2015, S. 106ff.

[4] Grobes Thema, das über einen längeren Zeitraum besprochen wird.

Quellen

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (2015): Amtsblatt des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Kultus und Unterricht, Ausgabe C. Bildungsplan für das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung sowie Grundlage für die Erziehung und Bildung von Schülerinnen und Schülern mit einem entsprechenden Bildungsanspruch an allgemeinen Schulen, Villingen-Schwenningen

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