Haben Sonderpädagogische Bildung- und Beratungszentren (SBBZ)
auch Bildungspläne [1]?
Wie arbeitet man mit Bildungsplänen bzw. Lehrplänen an einem SBBZ[2]?
Es gibt nicht nur Bildungspläne für die allgemeinen Schulen, sondern auch welche für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Welche Bildungspläne gelten, ist abhängig von dem besuchten Bildungsgang. Während die Förderschwerpunkte „Geistige Entwicklung“ (GENT) sowie „Lernen“ (Lernen) eigene Bildungspläne haben, werden die Schülerinnen und Schüler an anderen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren anhand zwei spezifischer Bildungspläne unterrichtet. So wird beispielsweise am SBBZ KMENT[3] zum einen mit dem speziellen Bildungsplan für das SBBZ mit dem entsprechenden Förderschwerpunkt – hier der körperlichen und motorischen Entwicklung – und zum anderen mit dem des besuchten Bildungsgangs z. B. Berufsfachschule gearbeitet.
Ziele des Blogs
In diesem Blog geht es darum, exemplarisch aufzuzeigen, wie an einem SBBZ KMENT mit mehr als einem Bildungsplan gearbeitet wird.
Beispiel: (Sonder-)Berufsfachschule mit körperlicher und motorischer Entwicklung (KMENT)
Ich arbeite an einem SBBZ KMENT in der Sonderberufsfachschule. Dort gelten der allgemeine Bildungsplan für die Berufsfachschule[4] sowie der zusätzliche Bildungsplan für den entsprechenden Förderschwerpunkt[5] – in meinem Fall KMENT.
Hier erhält man den Einblick in das Inhaltsverzeichnis des Bildungsplans für das SBBZ KMENT. Auf der linken Seite gibt es allgemeine Informationen zum Unterrichten und Arbeiten mit Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt der körperlichen und motorischen Entwicklung. Auf der rechten Seite sind Inhalte genannt, auf die in der Schule mit dem Förderschwerpunkt besonders Wert gelegt werden muss, damit die Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ein Leben nach der Schule vorbereitet sind. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler ein Höchstmaß an Selbstbestimmung, Aktivität und Teilhabe in allen Lebensbereichen haben sollen[6].


Inhaltliche Bildungsplanübersicht: Bildungsplan für das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung.
Quelle: Bildungsplan für das SBBZ mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, 2015, S. 5
Die Umsetzung des Bildungsplans KMENT in verschiedenen Schularten und Bildungsgängen soll auf folgende Weise funktionieren:

Einbezug der Bildungspläne von allgemeinbildender Schule und SBBZ
Quelle: Bildungsplan für das SBBZ mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, 2015, S. 8
Wie genau die Verzahnung beider Bildungspläne geschehen soll, bleibt offen und gibt viel Spielraum. Ich würde mir die Veröffentlichung erprobter Konzepte wünschen, durch die man Inspirationen für den eigenen Unterricht erhalten kann. Im besten Fall könnte man sie mehr oder weniger so übernehmen, wie sie sind. Dadurch würde man „das Rad nicht selbst neu“ erfinden müssen und man würde auf Bewährtes zugreifen können.
Den Bildungsbereich „Arbeit“ betrachte ich nun exemplarisch, da die Berufsorientierung mein Lieblingsthema in der Schule ist.

Quelle: Bildungsplan für das SBBZ mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, 2015, S. 5
Es gibt zu jeder Unterüberschrift zunächst eine Einführung in das Thema. Anschließend werden in Bezug auf die Schulentwicklung Fragen aufgelistet, neben denen das dazugehörige Kompetenzspektrum geschrieben steht.

Allgemeine Informationen zu Grundhaltungen, Arbeitstugenden, Schlüsselqualifikationen
Quelle: Bildungsplan für das SBBZ mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, 2015, S. 107
Während Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit etc. Tugenden sind, die unabhängig von einer körperlichen Einschränkung praktiziert werden müssen, sind der Umgang mit Arbeitsmitteln sowie persönliche Lösungen bei der Ausgestaltung von Arbeitsplätzen, individuelle Zeitintervalle und der Einsatz einer personellen Assistenz usw. zentrale Themen in der Berufsorientierung an einem SBBZ KMENT.

Fragen zur Schulentwicklung und Aufzeigen des damit verbundenen Kompetenzspektrums Quelle: Bildungsplan für das SBBZ mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, 2015, S. 107
Die Fragen nach Impulsen zur Schulentwicklung sind zweckmäßig und legitim, wenn auch aus meiner Sicht nicht immer spontan und einfach zu beantworten. Während es sicherlich eine relativ knappe beziehungsweise eindeutige Antwort auf die erste Frage gibt, fällt es Lehrkräften meist nicht leicht, passgenaue Hilfestellungen zu geben. Die Einschätzung des Ausmaßes der wirklich benötigten Hilfsmaßnahmen ist schwierig und kann tagesformabhängig sein. Auch die Ermittlung der individuellen Leistungsgrenzen ist auf jeden Fall unverzichtbar, aber genauso kniffelig: Mit welchen Methoden könnte man diese erreichen und wie aussagekräftig ist das Ergebnis in Bezug zu u. a. alltäglichen Stimmungsschwankungen oder auch einer gewissen Abneigung bzw. Affinität gegenüber des Unterrichtsfaches?
Das Kompetenzspektrum zeigt auf, welches Sachverständnis sich die Schülerinnen und Schüler im entsprechenden Bildungsbereich erarbeiten sollen.
Aufgrund meines Wissens über Schmerzen oder die Pflegesituation einer Schülerin / eines Schülers und die daraus resultierende Bitte nach Ruhe oder einer Pause komme ich im Unterricht natürlich nach. Allerdings muss die Schülerin / der Schüler das Bedürfnis äußern. Bei untypischem Verhalten einer Schülerin / eines Schülers wie Unkonzentriertheit oder Bewegungseinschränkungen frage ich nach dem Wohlbefinden und unterstütze dadurch die Reflexion des eigenen Körperzustandes. Auch das Einfordern von Hilfe versuche ich aktiv in das Unterrichtsgeschehen zu integrieren. Das bedeutet dann auch einmal das eigene Aushalten, dass ein Schüler seinen Laptop die ersten Minuten der Stunde nicht ausgepackt bekommen hat, weil er nicht danach gefragt hat. Oft gehen die beiden Bildungspläne (für Bildungsgang und für SBBZ) „Hand in Hand“.
Manchmal tritt der KMENT-Bildungsplan in den Hintergrund – z. B. beim Besprechen der Grammatik im Unterrichtsfach Deutsch. Wenn die eigenen Biographien jedoch gefragt sind, so haben die Bildungsinhalte immer auch KMENT-Anteile. Stark steht die Einschränkung der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund, wenn es z. B. um das Verfassen von Bewerbungsunterlagen und auch das Auseinandersetzen mit diversen Inhalten von Bewerbungsgesprächen geht. Diese Themen erfordern eine intensive Beschäftigung mit der eigenen Einschränkung. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich überlegen, was sie im Anschreiben formulieren und ob und wie sie über ihre Einschränkung informieren.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
An den verschiedenen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren gibt es je nach sonderpädagogischem Förderschwerpunkt ein oder auch zwei Bildungspläne, die als Grundlage für den Unterricht dienen. Die Bildungspläne sollen parallel miteinander erarbeitetet werden. Abhängig vom Thema rücken typische Inhalte des Bildungsplans KMENT in den Vorder- oder auch in den Hintergrund. In Vergessenheit kann der Bildungsplan KMENT allerdings nicht geraten, da die Schülerinnen und Schüler mit förderspezifischen Gründen das SBBZ besuchen und deshalb auf der einen Seite therapeutisch begleitet werden und zum anderen ihre Einschränkungen dafür sorgen, dass man sich täglich mit diesen im Unterricht bzw. während der Unterrichtszeit beschäftigt – so z. B. beim Umgang mit Arbeitsmitteln sowie persönlichen Lösungen bei der Ausgestaltung von Arbeitsplätzen oder auch individuellen Zeitintervallen mit Ruhepausen. Aus den Einschränkungen erwachsen auch spezifische Bedarfe, die man beim Planen des Unterrichts miteinbeziehen muss.
Eine bewusste Beschäftigung mit dem Bildungsplan des entsprechenden Förderschwerpunktes ist für eine am SBBZ oder in der Inklusion unterrichtenden Lehrkraft Pflicht.
Fußnoten:
[1] Ich beziehe mich hier ausschließlich auf das Schulsystem in Baden-Württemberg.
[2] Synonym für die Schulart des Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrums sind vielseitig und vom Bundesland abhängig. Andere Begriffe zum SBBZ sind Sonderschulen, Förderschulen oder die Beratungsstelle für sonderpädagogische Förderung.
[3] KMENT ist die Abkürzung für „körperliche und motorische Entwicklung“.
[4] Bildungsplan der Berufsfachschule siehe: https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/zweijaehrige+berufsfachschule, entnommen am 05.04.2025
[5] vgl. https://www.bildungsplaene-bw.de, entnommen am 06.04.2025
[6] vgl. Vorwort des Bildungsplans KMENT 2015, S. 7 oder vgl. https://www.bildungsplaene-bw.de, entnommen am 06.04.2025
[7] Mehr Informationen dazu: https://lehrer-online-bw.de/,Lde/3355650, entnommen am 06.04.2025
Quellen
Internet
Bildungsplan der Berufsfachschule:
https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/zweijaehrige+berufsfachschule, entnommen am 05.04.2025
Bildungsplan für KMENT:
https://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents_E-1909188851/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-SBBZ/SBBZ-KME/BP_SBBZ_kmE_2015.pdf, entnommen am 06.04.2025
Informationen zu Fachlehrern K
https://lehrer-online-bw.de/,Lde/3355650, entnommen am 06.04.2025